«Offline-Ferien»? Das gibt es inzwischen tatsächlich. Eines der Hotels, dass solche Ferien anbietet, ist das Hotel «Rosenlaui» im Berner Oberland. Dieses liegt in einem Funkloch, es gibt also weder Handy- noch Internetempfang. «Wer nicht ständig auf SMS antworten, nicht jede Frage googlen muss, kann sich entspannter auf ein Gespräch einlassen», sagt Betreiberin Christine Kehrli-Moser.

Allerdings vertrügen nicht alle Gäste das Offline-Leben. Kürzlich hätten drei Männer kurz nach der Ankunft die Koffer wieder gepackt, weil ihnen das Vibrieren des Handys fehlte. Auch das Münztelefon im Hotel habe die Herren nicht zum Bleiben bewegen können. Sie waren also alles andere als bereit, auch nur für wenige Tage auf ihr Mobiltelefon zu verzichten.

Sind wir allesamt Handy-süchtig? – das fragte der Beobachter in seiner letzten Titelgeschichte seine Leser. Die drei Autoren des Artikels, Gian Signorell, Jessica King und Yaël Debelle, stellten dabei anhand einer Klickapp in einem Selbsttest fest, dass sie ihre Handy-Nutzungsdauer komplett falsch eingeschätzt hatten. Statt wie angenommen eine halbe Stunde pro Tag lag die Nutzungsdauer bei über zwei Stunden, bei einer Person sogar bei über drei. «Das war verblüffend», so die Autoren.

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Praktische Apps für Handyjunkies

Checky.jpgChecky (iOS und Android)
Kosten: gratis

Checky zählt, wie oft man das Handy täglich nutzt (Pick-ups). Und zeigt auf, wo am häufigsten.



Moment.jpgMoment (iOS)
Kosten: gratis, mit In-App-Käufen

Moment zählt die Minuten, die man am Handy verbringt, und merkt sich die Anzahl Pick-ups. Mit der Pro-Version für 5 Franken kann man zudem ein Tageslimit setzen und sich eine Zeit vom Handy aussperren.



QualityTime.jpgQuality Time (Android)
Kosten: gratis

Quality Time speichert, wie lange man das Handy nutzt und wann bestimmte Apps. Zudem kann man Alarme und Pausen festlegen.



Forest.jpgForest (iOS und Android)
Kosten: 2 Franken für iOS, gratis für Android

Forest hilft mit virtuellen Bäumchen, ohne Handyablenkung zu arbeiten. Man pflanzt Bäumchen, und wird das Handy während einer festgelegten Zeit in Ruhe gelassen, werden die Bäumchen gross, ansonsten verkümmern sie.



HypnoBeep.jpgHypnoBeep (iOS und Android)
Kosten: 5 Franken

Mit HypnoBeep können Eltern Sperrzeiten programmieren, in denen ihr Kind das Handy nicht benutzen sollte. Wenn es sie einhält, bekommt es 10 Beeps gutgeschrieben.



SeldomelyAskedQuestions2.jpgSeldomly Asked Questions (iOS und Android)
Kosten: gratis

Gegen peinliche Schweigeminuten: Diese Schweizer App liefert über 400 Fragen, die für Gesprächsstoff sorgen. Zum Beispiel diese: «Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal getan?»

Und was denken nun die Beobachter-Leser? Sind wir allesamt Handy-süchtig? Und wo stört das Smartphone am meisten?

Nachfolgend die Auswertung unserer nicht-repräsentativen Leserbefragung unter mehr als 200 Teilnehmern:

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Auf die offene Frage, wie abhängig wir von unserem Smartphone sind, war der Tenor eindeutig: Rund 80 Prozent der Teilnehmer sehen die Omnipräsenz der Smartphones als grosses Problem:

Auswahl an Antworten der Beobachter-Leser

«Es ist eine völlig falsche Entwicklung: Ich finde es traurig, dass manche Menschen nur noch auf den Bildschirm starren und die zwischenmenschliche Kommunikation dabei komplett untergeht.»


 «Wir sind definitiv total abhängig - mich eingeschlossen! Ich mache mir sehr grosse Sorgen um die Zukunft der Menschen!»


«Früher funktionierte die Welt ja auch ohne Smartphones. Wir machen uns selber das Leben damit schwer.»


«Wir sind sehr abhängig, ich eingeschlossen! Ich würde es oft am liebsten in eine Ecke schmeissen... Ich habe für mich leider noch keine schlaue Lösung gefunden, um davon loszukommen.»


«Man kommt nur schwer davon los. Bei jeder Nachricht will ich sofort aufspringen und nachsehen.»


«Emotional hängt die Gesellschaft längst viel zu sehr an diesen Dingern, aber letztlich stehen dahinter ja andere gesellschaftliche Entwicklungen. Man wird immer inaktiver, passiver, das Leben draussen kommt zum Stillstand, die realen Verbindungen sterben ab, das Innenleben hingegen ist 24 Stunden am Tag alarmiert und die virtuellen Verbindungen machen aus uns Beute, wie sie im Spinnennetz zu finden ist. Alles in allem eine sehr negative, beängstigende Entwicklung.»


«Ich besitze bewusst kein Smartphone, sondern ein altes Handy ohne Schnickschnack. Ich wünschte mir eine Anti-Smartphone-Bewegung. Mir ist der Tag ein Graus, an dem meine Tochter sich so ein Ding wünscht.»


«Das schlimmste: Sogar kleine Kinder spielen mit Smartphones oder Tablets und wissen nicht mehr, wie sie sich sonst unterhalten sollen.»


«Ab morgen lasse ich das Handy am besten zuhause.»

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Es gibt aber auch (wenige) Stimmen, die die Vorzüge der Smartphones schätzen und dafür plädieren, Selbstdisziplin zu zeigen. Schliesslich seien wir selber dafür verantwortlich, das Handy zwischendurch wegzulegen und uns anderen Dingen zu widmen:

Auswahl an Antworten der Beobachter-Leser

«Ich nutze das Smartphone intensiv, dafür den Computer privat praktisch nicht mehr. Ich geniesse die Vorteile der modernen Technik, und finde es nicht problematisch. Ein Buch oder eine Zeitung zu lesen beeinträchtigt die soziale Interaktion ebenso.»


«Das Smartphone ist – in gesundem Masse benützt – intellektuell bildend.»


«Positiv am Smartphone ist die dadurch ermöglichte häufigere Vernetzung mit Kontakten, die weit weg sind. Die Kommunikation ist viel einfacher so.»

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