In der Bedienungsanleitung des neuen Haartrockners steht: «Unplug the appliance when not in use, but never do it by pulling the cord.» Der Online-Übersetzungsdienst Google Translate macht daraus: «Stecken Sie das Gerät, wenn es nicht in Gebrauch ist, aber nie tun es durch Ziehen an der Schnur.» Bing Translator liefert folgenden Vorschlag: «Trennen Sie das Gerät bei Nichtgebrauch, aber tun Sie es nie durch Ziehen am Kabel.» Der Dienst Promt hat eine weitere Variante im Angebot: «Ziehen Sie das Gerät wenn nicht im Gebrauch heraus, aber tun Sie es nie, indem Sie die Schnur ziehen.»

Die Beispiele zeigen: Es lässt sich zwar erahnen, was gemeint ist. Von korrektem Deutsch sind die Sätze aber weit entfernt. Die Formulierungen wirken unbeholfen und unfreiwillig komisch.

Auch der deutsche Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer wollte es wissen und schickte für einen grösseren Test Bedienungsanleitungen, Rezepte und Zeitungsartikel durch die Maschine von Google Translate. Diese schnitt deutlich schlechter ab als die professionellen Übersetzer – was diese natürlich beweisen wollten. Vieles musste in die maschinell übersetzten Texte hineininterpretiert werden, anderes blieb unverständlich. Und die Dienste versagten bei Mehrdeutigkeiten, Ironie und Sarkasmus komplett.

Die Dienste werden besser, aber…

Dabei heisst es, Online-Übersetzer seien zuverlässiger geworden in den letzten Jahren. «Das stimmt mit Einschränkungen», sagt Uwe Reinke, Professor für Sprach- und Übersetzungstechnologie aus Köln. Er beobachtet, dass jene Dienste immer besser werden, die sich nicht mehr auf elektronische Wörterbücher und Grammatikregeln stützen, sondern sich aus den schier un­erschöpflichen Datenmengen im Internet bedienen. Aus diesen Texten und deren Übersetzungen berechnet eine spezielle Software jene Variante, die statistisch betrachtet am wahrscheinlichsten ist. Das funktioniert inzwischen zuverlässig, aber nur bei eingeschränkten Themengebieten und bestimmten Textsorten, etwa bei Hotelbeschreibungen und -bewertungen.

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Einen Text bei Online-Diensten eintippen oder ins leere Fenster hineinkopieren leistet einen Beitrag, um das System weiter zu «trainieren». Das ist jedoch auf einer anderen Ebene problematisch: «Der Schutz der eigenen Daten ist nicht gewährleistet», warnt Reinke. Es gilt also, sich auch beim Übersetzen gut zu überlegen, was man der Internet-Öffentlichkeit zur Verfügung stellt und was nicht.

Überhaupt sind die Einsatzbereiche für maschinelle Übersetzungen beschränkt. Was verpönt ist: einen Text in eine Sprache übertragen lassen, deren man nicht mächtig ist – und das Ganze dann auch noch verschicken. Gelächter, Missverständnisse oder gar Ärger sind so programmiert. Derart übersetzte Korrespondenz wirkt peinlich und unseriös, auch im privaten Umfeld. Wenn sich etwa Eltern vor dem Sprachaufenthalt der Tochter mit der Gastfamilie in Bolivien in Verbindung setzen, sollten sie den Text besser auf Deutsch senden. Der Empfänger kann ihn dann in seine Muttersprache übersetzen.

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Fürs Erste schnell und bequem

Empfehlenswert sind die Online-Dienste am ehesten für «Informativübersetzungen», wie es Fachmann Uwe Reinke nennt. «Es lassen sich zumindest grob die Kern­inhalte erschliessen.» E-Mails oder Chats etwa sind so fürs Erste schnell und bequem übersetzt.

«Computer können zwar einfache Sätze einigermassen verständlich machen, sind aber mit dem Zusammenhang schnell überfordert», sagt Lis Hunkeler, Geschäftsführerin von Syntax Übersetzungen AG in Thalwil. Maschinelle Übersetzungen böten nicht die geforderte Qualität und seien im professionellen Umfeld untauglich. Einwandfreie Texte lieferten hier nur Fachübersetzer und Lektoren. Es brauche schliesslich ein Gespür für den Inhalt, den Stil, die Tonalität. Lis Hunkeler: «Was man nicht versteht, kann man nicht korrekt übersetzen.»

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Allerdings könnten für Fachpersonen professionelle CAT-Tools (Computer Aided Translation) sinnvoll sein – etwa wenn es um Bedienungsanleitungen oder technische Dokumentationen geht. Hier sind laut Hunkeler solche Programme sogar ratsam, weil mit ihnen eine einheitliche Terminologie eingehalten wird.

Wer für den Alltagsgebrauch auf Online-Übersetzungsdienste zurückgreift, sollte es ihnen so einfach wie möglich machen. Anders als Menschen können Maschinen keine Anspielungen erkennen oder Phrasen ergänzen. Sie brauchen deshalb einen klaren Input. Denn: Je eindeu­tiger und verständlicher der Quellentext, desto besser die Übersetzung (siehe «So übersetzt das Internet richtig»).

Sonst kommt es leicht zu verqueren Ergebnissen. Wie etwa beim Haartrockner, zu dem der Übersetzungsdienst Promt warnt: «Dieses Gerät ist für den Gebrauch von Personen (einschliesslich Kinder) mit reduzierten physischen, sensorischen oder geistigen Fähigkeiten nicht beabsichtigt, oder fehlen Sie von der Erfahrung und den Kenntnissen, wenn ihnen Aufsicht oder ­Instruktion bezüglich des Gebrauches des Gerätes von einer für ihre Sicherheit verantwortlichen Person nicht gegeben worden sind.» Alles klar?

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So übersetzt das Internet richtig

  • Überprüfen Sie die Rechtschreibung des Ausgangstextes, vermeiden Sie sprachliche Fehler.
  • Befolgen Sie die richtige Zeichen­setzung und machen Sie Punkte am Satzende.
  • Machen Sie Absätze.
  • Schreiben Sie vollständige, aber kurze Sätze.
  • Bauen Sie keine komplizierten, langatmigen, verschachtelten Sätze ein.
  • Vermeiden Sie Passiv-Konstruktionen und Substantivierungen.
  • Formulieren Sie klar und sachlich.
  • Benutzen Sie keine ungewöhnlichen Wörter oder eigene Wortschöpfungen.
  • Verwenden Sie eine einheitliche Terminologie.
  • Machen Sie keine willkürlichen Abkürzungen.
  • Vermeiden Sie deutsch-englisches Mischmasch («handlebare Files»).

Kostenlose Übersetzungsdienste im Internet

Google Translate: translate.google.ch

Bing Translator: www.bing.com/translator

WorldLingo: www.worldlingo.com

Promt: www.online-translator.com

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