Der Zeitpunkt ist nicht gerade glücklich gewählt. Nachdem Smartphone-Besitzer jüngst erfahren mussten, dass verschiedene Geheimdienste ihre privaten Daten mitlesen, bringt Apple nun ein ­iPhone auf den Markt, das zusätzlich Fingerabdrücke speichert. Der Fingerabdruck dient beim Modell 5S als Mittel zur Identifikation. Statt einen Zahlencode einzutippen, soll der Besitzer seine Fingerkuppe vom Gerät scannen lassen.

Apple hat den totalen Zugriff

Rasch versuchte der US-Konzern, Bedenken mit technischen Informationen zum Fingerprint zu zerstreuen. Der Abdruck werde lokal auf dem Gerät gespeichert und verlasse dieses nicht, beteuert Apple. «Die lokale Speicherung ergibt durchaus Sinn, nur schon weil die Daten dann viel schneller zur Verfügung stehen», sagt Informatikprofessor Bernhard Plattner von der ETH Zürich. Apple sagt, der Fingerabdruck werde zudem nicht mit der Software verlinkt und stehe somit auch App-Entwicklern nicht zur Verfügung – zumindest vorerst.

«Gewisse Funktionen des iPhone-Betriebssystems müssen zu den Daten Zugang haben», wendet Plattner ein. Sonst könnten weder die einmalige Regis­trierung noch die wiederholte Identifizierung des Benutzers funktionieren. «Für Apple ­wäre es deshalb technisch kein Problem, auf die Informationen im Gerät zuzugreifen.» Zudem dient der Fingerabdruck auch für Einkäufe im Apple Store.

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«Ein Hintertürchen wäre für Apple leicht einzubauen», sagt Adrian Perrig, ETH-Professor für Netzwerksicherheit. «Es ist sehr schwierig, nach­zuweisen, dass Daten weitergeschickt werden, selbst wenn man das iPhone auseinandernimmt.» Hacker könnten zudem an die Daten des Fingerprints kommen, wenn das ­Telefon-Betriebssystem mit ­einem sogenannten Jailbreak geknackt wird.

Funktion lässt sich abschalten

Viel mehr als Apples Wort hat der iPhone-Käufer also nicht. Wie viel dieses Wort wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Schweizer und deutsche Datenschützer kündigten bereits Protest gegen das iPhone 5S an. Immerhin lässt sich die ­Erkennung per Fingerprint ­abschalten.

Uneins sind die Experten, ob Apple mit dem neuen Gerät der Identifikation mit bio­metrischen Daten zum Massendurchbruch verhelfe. «Ich glaube, die Aktion wird Apple eher schaden», sagt Perrig.

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