Smartphones stehen bei vielen Kindern auf dem Wunschzettel. Eltern, Göttis und Grossmütter fragen sich vielleicht, ob und ab wann sie dem Nachwuchs diesen Wunsch erfüllen sollen. Martin Hermida hat eine Antwort: «Der Wechsel in die Oberstufe ist ein geeigneter Zeitpunkt, um dem Kind ein Smartphone zu schenken», sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter am Zürcher Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung und Mitautor der EU-Studie «Kids online».

Man müsse sich aber bewusst sein, was man dem Kind mit einem Smartphone alles in die Hand drücke. «Die Internetnutzung lässt sich dann kaum mehr kontrollieren», sagt Hermida. «Sehr wichtig ist es deshalb, dass man den Prozess begleitet.» Das heisst: Die Medienerziehung soll beginnen, bevor das Kind das Telefon in die Tasche steckt. Denn dann verliert man ein Stück weit an Einfluss.

Klären sollte man mit den Kindern, ob die Eltern die Nutzung zeitlich beschränken – zum Beispiel was das ­Gamen auf dem Telefon angeht. Auch das Thema soziale Netzwerke wird spätestens dann aktuell, wenn das Kind über das Smartphone Zugang zu Whatsapp und Facebook bekommt. Auch eine Kamera hat es ab sofort ­jederzeit dabei – deshalb sollte man thematisieren, was es mit Bildern von sich und anderen anstellt.

Verbote bringen wenig. «Viel wichtiger ist es, dem Kind beizubringen, dass man im Internet nie mit letzter Sicherheit weiss, wer der Kommunikationspartner auf der anderen Seite ist», sagt Hermida. Genauso sollte das Kind lernen, dass Gratisinhalte nicht wirklich kostenlos sind, sondern dass man statt mit Geld mit seinen persönlichen Daten zahlt.

Gleichzeitig ist es für ein Kind ab einem gewissen Alter wichtig, einen eigenen Freundeskreis aufzubauen. Ein Smartphone kann dabei auch ­sozial eine wichtige Rolle spielen.

Einzelne Funktionen abschalten

Die Geräte bieten heute die Möglichkeit, gewisse Funktionen zu sperren.

Beim iPhone macht man das in den Einstellungen unter den Stichwörtern «Allgemein» und «Einschränkungen». Dort lässt sich alles Mögliche hinter ein Passwort packen, etwa In-App-Käufe, die Kamera oder der Browser (und damit der Zugang zum Internet). Für Apps lässt sich zudem eine Altersgrenze festlegen, die sich an den Angaben im Store orientiert. Das eignet sich allerdings eher für jüngere Kinder, ab einem gewissen Alter ist es sinnvoller, mit dem Kind über seine Mediennutzung zu diskutieren.

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Auch die Smartphones von Sam­sung haben mit «Kids Mode» eine entsprechende Funktion. Dieser Modus in Kindergartenoptik eignet sich am ehesten für Kinder bis acht. Die Funktionen sind auf wenige Apps beschränkt, die die Eltern auf eine ­weis­se Liste setzen. Kaum ein Teenager wird sich damit zufriedengeben.

Gut überlegen sollte man sich vor dem Kauf, wie man die monatlichen Kosten plant. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Prepaid- und Abomodell. Bei der Prepaidversion muss das Kind mit einem klar definierten Betrag auskommen. Die Frage ist dann, nach welcher Zeitspanne er aufgebraucht sein darf. Die Telekom­anbieter offerieren Abos, die sich explizit an Junge richten. Grosse Angst vor horrenden Rechnungen muss man heute nicht mehr haben, weil sich die Abomodelle verändert haben: Vieles wird pauschal abgerechnet.

Es muss nicht das neuste Modell sein

Natürlich hätten Kinder immer gern die neusten Modelle. Zwingend nötig ist das nicht. Bei einer Neulancierung gibt es das vorletzte Modell häufig zu günstigeren Konditionen. Eher sollte man darauf achten, dass das Telefon nicht zu gross ist, die Bedienung ist für Kinderhände sonst zu mühsam.

Manche Eltern fühlen sich sicherer, wenn ihr Kind ein Telefon dabeihat und sie es theoretisch jederzeit erreichen können. Doch: «Das ist eine Illusion», sagt Experte Martin Hermida. Denn in der Schule dürfen die Kinder das Smartphone sowieso nicht einschalten, und den Schulweg sollten sie besser im direkten Austausch mit Freunden zurücklegen. Anrufe der ­Eltern sind allenfalls sinnvoll, wenn die Kinder ein dichtes Programm mit Fussball, Klavierstunde oder Ballett haben und es organisatorisch immer wieder kurz was zu besprechen gibt.

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Handyabos für Kinder im Vergleich

  Swisscom Sunrise Orange
Abo: Natel xtra infinity Abo: MTV mobile Orange Young Star
Alter: bis 26 bis 30 unter 27
Monatsgebühr: zwischen 55 (Small) und 89 Franken (Large) zwischen 15 (Start) und 60 Franken (World) zwischen 19 (Young Star) und 64 Franken (Young Universe)
Umfang: alle Anrufe, SMS und Surfen inbegriffen, die Surfgeschwindigkeit ist bei teureren Abos höher SMS und Surfen unlimitiert, Surfgeschwindigkeit variiert je nach Modell; Anrufe zu Sunrise gratis, andere Netze bei Start und Myfriends 45 Rappen pro Minute, bei teureren Modellen gratis Anrufe zu Orange gratis, andere Netze 40 Rappen pro Minute, 3000 SMS pro Monat gratis; 1 GB, 3 GB oder 10 GB Datenvolumen inklusive
ODER      
Prepaid: Natel easy start MTV mobile pre Orange Me Prepay
Alter: 6 bis 18 Jahre    
Anrufe: in alle Schweizer Netze: 60 Rappen pro Stunde, drei Nummern sind bis eine Stunde gratis 69 Rappen pro Stunde, 25 SMS pro Monat inbegriffen, danach 12 Rappen

Anrufe: 29 Rappen pro Minute in alle Schweizer Netze, 12 Rappen pro SMS

Datenpakete: (30 Tage gültig): 100 MB 5 Franken, 400 MB 12 Franken, 1 GB 25 Franken   1 Franken pro Tag für 20 MB Daten
  Bei den Datenvolumen der jeweiligen Abomodelle gibt es einen wichtigen Unterschied: Swisscom und Sunrise bieten unlimitiertes Datenvolumen, das heisst, es entstehen keine zusätzlichen Kosten, wenn man viel surft. Sunrise drosselt allerdings die Geschwindigkeit, wenn das Datenvolumen aufgebraucht ist. Bei Orange muss man aufpassen: Wenn man das Datenvolumen bezogen hat, kostet jedes zusätzliche MB 10 Rappen. Das kann schnell teuer werden – gerade wenn Kinder Filme auf dem Handy schauen.