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MinecraftErstaunliche Bauklötze

Die Grafik ist dürftig, Handlung gibt es eigentlich keine: Im Computerspiel ­«Minecraft» kann man nicht viel mehr als Bauklötzchen stapeln – doch es zieht Millionen in seinen Bann. Vier Buben erzählen.

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Sie wissen, was ein Nerd ist? Genau. Nerds sind diese bleichen Sonderlinge mit Ringen unter den rotgeränderten Augen, deren Leben sich mehrheitlich vor einem Bildschirm abspielt. Schreckgespenster ­jeder Bubenmutter. Der Schwede Markus Persson alias «Notch» ist ein Nerd. Ein sympathischer irgendwie. In seiner Wohnung in einem Stockholmer Vorort hat er in langen Nächten ein Spiel erfunden. Es heisst «Minecraft». Es begeistert Jungs und macht Bubenmüttern weniger Bauchweh als andere Computergames.

Auf den ersten Blick wirkt «Minecraft», als sei es Ende der achtziger Jahre programmiert worden. Keine lebensechte Grafik, keine Verfolgungsjagden, geballert wird nicht mal im Ansatz. «Ein Spiel, bei dem man mit Bauklötzen alles bauen kann, was man sich vorstellen kann», preist der Erfinder «Minecraft» an. Und so ist es denn auch. Die paar Monster – ebenfalls aus Bauklötzen –, die nachts manchmal auftauchen, sind mit einem Klick aus­ser Gefecht gesetzt. Nichts stört den Bautrieb – ausser dass es manchmal dunkel wird und regnet. Es ist wie Lego-Bauen an einem nebligen Sonntag im November. Nur fesselnder. Und etwas komplexer. Denn gewünschte Baumaterialien müssen erst herangeschafft werden. Das erfordert Geschick und Geduld. Einige Werkzeuge lassen sich nur aus seltenen Rohstoffen herstellen, und auch der Abbau von Steinen, Holz- oder Eisenklötzchen will beherrscht sein.

Ein Spielende gibt es nicht. «Die einzigen Grenzen, die dir gesetzt sind, sind die deiner Phantasie», philosophiert der zwölfjährige Paul. So simpel die Anlage des Spiels ist, so gross ist das Suchtpotential. Es gibt immer ein «Nur noch». Nur noch das Haus fertigbauen, einen Diamanten finden, ein paar Bäume pflanzen.

Die Mädchen spielen nicht mit

Mehr als 23 Millionen Menschen haben sich bis heute auf Minecraft.net registriert, um mit der kostenlosen «classic version» zu spielen, über fünf Millionen Menschen haben «Minecraft» bisher gekauft. Für ein paar Euro. Perssons Überraschungserfolg ärgert die Grossen im Business. Was der Schwede in seiner Freizeit gebastelt hat, kostet sie schnell einmal 50 Millionen Franken. So viel investieren multinationale Konzerne in die Entwicklung eines Videospiels wie «Gran Turismo» oder «Call of Duty». Kein Wunder also, dass «Minecraft» fleissig kopiert wird: Es gibt mit «FortressCraft» bereits ein Klötzchenspiel für die Xbox, aber auch Open-Source-Kopien wie «Manic Digger» tauchen auf.

Die Fans des Originals kümmert das wenig. Sie bauen weiter Häuser, Schlösser und Raumstationen. Alle 24 Stunden registrieren sich weitere 63000 Spieler. Spielerinnen gibt es kaum. Wirft man einen Blick in einige der über drei Millionen Youtube-Filme, die es zu und über «Minecraft» gibt, ist der Überhang an männlichen Spielern nicht zu übersehen. Auch die beiden Zwölfjährigen Paul und Nico kennen kein Mädchen, das ernsthaft «Minecraft» spielt. Für sie nur logisch: «‹Minecraft› ist halt wie Lego.» Soll heissen: Ist was für Jungs.

Auch für grosse. Das sieht man ebenfalls auf Youtube: Erwachsene erliegen der Faszination dieses wundersamen Spiels zuhauf. Was sie damit tun, grenzt an Wahnsinn: Sie bauen Tolkiens Mittelerde aus «Herr der Ringe» nach oder detail­getreu ganze Städte. Und wenn Bubenmütter das sehen, bekommen sie dann doch etwas Bauchweh. Wegen der vielen bleichgesichtigen Männer mit rotgeränderten Augen, die sie plötzlich vor sich sehen.

«Das ist definitiv mein Lieblingsspiel. Seit ich es habe, spiele ich eigentlich nur noch ‹Minecraft›. Ich bin aber ­keiner, der grosse Bauwerke baut, ich mache lieber kleinere ­Dinge und experimentiere damit. Jetzt habe ich gerade ausprobiert, was geschieht, wenn man ein ­rotes und ein gelbes Schaf kreuzt. Es gibt ein gelbes. Voll unlogisch. Kürzlich habe ich eine Affenstatue gebaut – als Tarnung für einen Geheimgang. Drückt man dem Affen aufs Auge, geht der Mund auf, und der ist der Eingang zu einem Geheimraum. Manchmal muss ich mich recht konzentrieren. Zum Beispiel, als ich einen römischen Wachtturm nachgebaut habe. Möglichst originalgetreu. Wir haben eben in der Schule gerade das Thema Römer. Im Moment tüftle ich an einer Monster­falle. Die überlisteten Monster lassen sich dann als Rohstoff zum Bauen wiederverwerten. Unter der Woche komme ich nicht so oft zum Spielen, weil ich ins Handballtraining muss, aber am Wochenende treffe ich mich manchmal mit Freunden, und wir bauen zusammen. Wir haben auch einen Server, auf den wir gemeinsam zu­greifen können, aber meistens klappt irgendetwas nicht. Ich glaube nicht, dass mir ‹Minecraft› einmal verleiden wird. Man kann ja irgendwie gar nie fertig werden.»

Im Video oben zeigt Nico, wie seine Welt entsteht.

«Ich bin jetzt an meiner zweiten Welt. Die erste habe ich verloren. Also nicht die Welt, sondern das Dorf, das ich gebaut habe. Ich habe sogar ein Haus in einer Höhle gebaut. Und Dorfbewohner. Die kann man aus Eiern ­herstellen. Nachdem ich einmal auf Reisen ging, um mir die ­ganze Welt anzusehen, habe ich meine Häuser nicht mehr ge­funden. Ich habe lange gesucht, aber keine Chance. Das fand ich so gemein, dass ich ein paar ­Wochen lang nicht mehr ‹Minecraft› spielte, nur noch ‹Sims Mittelalter›. Aber ‹Minecraft› ist schon spannender. Darum habe ich nun doch wieder eine neue Welt angefangen. Mit einem ­kleinen Holzhaus und einem Swimmingpool. Aber jetzt habe ich eine Version genommen, in der man fliegen kann. So kann ich dann mein Haus besser ­suchen, wenn ich mich wieder einmal verlaufe. Manchmal, wenn es mir langweilig ist, stelle ich Monster her und reize sie. Dann kann ich ein bisschen mit ihnen kämpfen. Oder ich züchte Tiere, Pilzkühe zum Beispiel. Wenn man zwei erwachsene ­Kühe hat, kann man ihnen Weizen geben. Dann verlieben sie sich und bekommen ein Junges. Die Jungen sind total herzig, aber wenn sie einfach ins Haus kommen, ­nerven sie auch.»

«Bei anderen Games würde ich eine solche Grafik nie akzeptieren, aber hier spielt das ­irgendwie keine Rolle. ‹Minecraft› ist wohl auch das einzige Game ohne ­Altersbegrenzung. Die einzigen Grenzen, die dir gesetzt sind, sind die deiner Phantasie. Das ist natürlich auch gefährlich, weil du immer weiterspielen könntest. Du machst etwas, hast die nächste Idee und willst sie unbedingt noch umsetzen. So gesehen macht ‹Minecraft› schnell süchtig. Darum hat mir meine Mutter auch schon eine Pause verschrieben. Im Moment ist ­eine Ritterburg mein grösstes Projekt. Sie hat vier Türme und im Innern eine Tafelrunde. Dazu habe ich ein Dorf gebaut mit ­Kirche, einem Gericht und einem Friedhof. Mein eigenes Königreich. Es ist recht cool geworden. Ungefähr 40 Stunden habe ich investiert. Allein für die Burg brauchte ich mindestens 1000 Steinklötze. Das ist nicht wenig, auch wenn es natürlich Leute gibt, die viel grössere Projekte realisieren. Es gibt Typen, die die ganze ‹Star Trek›-Raumstation nachgebaut haben. Krass. Aber so viel Zeit habe ich nicht, ich muss ja auch noch zur Schule.»

«Bei ‹Minecraft› kann ich die Atmosphäre, in der ich lebe, selber bestimmen. Das gefällt mir. Ich spiele es seit einem Jahr und habe drei Welten gebaut. In meiner Hauptwelt habe ich viel Zeit in ein Holzhaus investiert. Von der Badewanne aus hat man ­eine schöne Aussicht, und in der Stube brennt ein Cheminéefeuer. Neben dem Haus ist ein Schwimmbad. Zoomt man etwas weiter weg, hat man das Gefühl, in einer echten Landschaft mit moderner Architektur zu stehen. Seit Monaten arbeite ich an ­einer riesigen Achterbahn. Am Anfang habe ich mich nur auf die optische Umsetzung ­konzentriert, auf die Ideen, aber dann hat mich der Ehrgeiz gepackt, und ich wollte die Bahn so bauen, dass sie auch logisch ist, mit Stützen und so. Sie wurde immer grösser. Jetzt dauert eine Fahrt fast sieben Minuten. ­Früher wollte ich Architekt ­werden, vielleicht gefällt mir ‹Minecraft› darum so gut. Aber jetzt fahre ich leidenschaftlich Snow- und Skateboard und habe einen Kurs in Wellenreiten besucht, darum möchte ich jetzt am liebsten Verkäufer in einem Skaterladen werden.»

Veröffentlicht am 28. Februar 2012

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12 Kommentare

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Minecrafter
Hallo Leute Also ich spiele dieses Game auch schon seit ca. 2 Jahren Und finde es immer noch ein gutes Game. Ich spiele eig. nur auf dem Server factionone. Wenn ihr wollt könnt ihr euch registrieren unter www.factionone.de Serveradresse ist mc.factionone.de ich hoffe ihr kommt

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God (Minecraft Name)
Also ich und meine Freunde zocken es und wir zocken auf einem Privat server . Macht sehr Spaß und mein Vater Will ja er will sogar dass ich nur MInecraft spiele:) Hört schön und Gut an aber nach ner Zeit nicts Bauen wird langweilig deswegen gehen ich und meine Freunde Paar Häuser mitten in der Lüften bauen :)

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nobatex
JO von wegen die mädchen spielen nicht mit so ein schwachsin ich bin ein mädel und spiele es leidenschaftlich habe schon viele figuren nachgebaut und selber was entworfen (bin aber meistens im kreativ-modus zu finden hihi) meine eltern zocken es auch und sie finden es gar nicht mal so schlecht was sagt uns das dass auch mädchen minecraft spielen

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Der Minecraftfan
Mann kann Minecraft auf der Seite www.Minecraft.net kaufen. Es kostet 20 Euro aber ich empfehle es trotzdem allen man kann mit der Elektronik wirklich fast alles machen(Ich habe es selber und habe schon ein Wirelesssystem gebaut, das heisst ich drücke auf einen Schalter und das Signal kommt an einem anderen Ort ohne Kabelverbindung an). Wie ihr das Wirelesssystem baut könnt ihr auf Youtube nachschauen: Gebt einfach Redstone Tutorial- Wireless ein. Das Video ist von SparkofPhoenix. Supergame!!!!!!!!!!

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