Was früher die Postadresse oder Telefonnummer war, ist heute die Internetadresse. Kaum eine Produktepackung, Werbung oder Visitenkarte, die nicht für weiterführende Informationen auf eine Website verweist. Das Internet hat tatsächlich vieles einfacher gemacht, doch was bleibt, ist das Eintippen einer Adresse. Innerhalb des Internets ist das kein Problem, da klickt man auf den Link. Doch was, wenn man im Restaurant sitzt, die Zeitung liest und gern auf die in einem Artikel empfohlene Internetseite surfen will? Meist schreibt man sich die Webadresse irgendwo auf und geht später zu Hause vom Rechner auf die entsprechende Seite. Oder - wahrscheinlicher - man vergisst die Adresse einfach wieder.

Ein spezieller Strichcode kann dieses Problem lösen - vorerst allerdings nur über das Mobiltelefon. Alles, was es für die Verbindung mit dem Web braucht, ist ein internetfähiges Handy mit integrierter Kamera, eine Lesesoftware und den Code, der Informationen enthält, die vom Handy entschlüsselt werden können. Statt nun die Webadresse ins Handy einzutippen, richtet man das Objektiv der Kamera auf den Pixelcode, drückt auf den Auslöser, und schon wird man mit der entsprechenden Website verbunden. Neben simplen Internetadressen kann der Code auch eine Visitenkarte, die sofort aufs Handy gespeichert werden kann, einen einfachen Text oder Downloadmöglichkeiten für Handyprogramme sowie Klingeltöne beinhalten.

Was hierzulande noch als Spielzeug für Technikfreaks belächelt wird, ist in Japan fast schon so verbreitet wie Telefonnummern. Vor allem in Grossstädten findet man dort die gepixelten Codes überall im öffentlichen Leben - auf Plakaten, Visitenkarten, Verpackungen oder in Zeitungen. In Deutschland arbeitet die Tageszeitung «Welt kompakt» erfolgreich mit dieser Technologie und liefert so ihrer Leserschaft per Schnappschuss noch mehr Informationen. Auch in der Schweiz sind die Codes vereinzelt anzutreffen. Letzten Sommer setzte beispielsweise die Post im Appenzeller Vorderland die Methode des Mobile-Tagging ein: Die Codes waren auf Wanderwegweisern und an Postautohaltestellen angebracht, so dass Passanten bequem mit dem Handy den Postautofahrplan aufrufen konnten. Neben der Post bieten auch die SBB, Schweiz Tourismus, einige Medien - darunter das Schweizer Internetmagazin «Anthrazit» und der NZZ-Verlag - diese interaktive Kommunikationsmöglichkeit an. Und weitere Unternehmen werden zweifellos folgen.

Allerdings ist noch nicht ganz klar, welches Format sich in der Schweiz durchsetzen wird. Weltweit buhlen über 70 verschiedene Technologien darum, den Standard zu setzen. In der Schweiz kennt man hauptsächlich die Formate BeeTagg und QR-Code (Quick Response Code). Während der BeeTagg aussieht wie eine Bienenwabe, hat der QR-Code am ehesten Ähnlichkeit mit dem guten, alten Strichcode. Die Handhabung ist in beiden Fällen die gleiche: Die Codes müssen mit der Handykamera fotografiert und durch eine Lesesoftware entschlüsselt werden. Und so gehts:

  • Internetfähiges Kamerahandy funktionstüchtig machen: Ohne die nötige Handysoftware geht gar nichts. Damit der QR-Code oder BeeTagg entschlüsselt werden kann, braucht Ihr Handy das nötige Leseprogramm. Einige - eher neuere - Handys sind bereits damit versehen, doch die meisten Modelle müssen mit einfachen Handgriffen aufgerüstet werden. Für den QR-Code empfiehlt sich der Reader vom Schweizer Unternehmen Kaywa und für den Bienenwabencode der BeeTagg-Reader. Die Leseprogramme können kostenlos von http://reader.kaywa.com beziehungsweise www.beetagg.com auf das Mobiltelefon geladen werden. Wie der Download genau funktioniert und ob Ihr Modell unterstützt wird, erfahren Sie auf den betreffenden Websites.
  • Code fotografieren: Einige Handys sind so schlau, dass sie einen Code bereits im normalen Fotomodus erkennen, bei anderen Modellen müssen Sie zuerst das entsprechende Leseprogramm öffnen (meist im Handymenü unter «Programme» zu finden). Schiessen Sie jetzt ein Foto des Codes. Sie können ihn auch verkehrt herum oder schief aufnehmen, achten Sie aber darauf, dass Sie möglichst den ganzen Code auf dem Sucher haben. Ihr Programm decodiert nun das Muster und zeigt Ihnen die darin enthaltene Botschaft.
  • Kosten: Die Nutzung der Codes ist gratis, höchstens das Angebot, zu dem er führt, kann allenfalls kostenpflichtig sein. Was immer anfällt, ist die Verbindung des Handys mit dem Internet - was die kostet, können Sie bei Ihrem Netzbetreiber in Erfahrung bringen.


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Quelle: Bruno Muff
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