Der «Internetdetektiv» Guido Rudolphi hat schon einige Profile erstellt: «Wenn die Leute merken, was man durch Kombinationen ihrer Informationen alles über sie herausfinden kann, bekommen es alle mit der Angst zu tun.» In sozialen Netzwerken, aber auch sonst im Internet ist Vorsicht geboten. Einige Tipps, um nicht unfreiwillig zu viele Spuren zu hinterlassen.

Aufgepasst bei weiterführenden Links! Ein Beispiel: Ist ein Bild auf Facebook verlinkt mit der Online-Plattform Tagged, kann man sich direkt aus Facebook dort einloggen. Mit einem einzigen Klick berechtigt man Tagged zu diversen Aktionen, so etwa: «Tagged darf auf meine Daten zugreifen, wenn ich die Anwendung nicht verwende.» Vorsicht bei Ausdrücken wie «Einloggen via Facebook»!

«Like»-Buttons sind sehr geschwätzig. Jeder Klick auf solch einen «Gefällt mir»-Knopf kann verwendet werden, um detaillierte Profile zu erstellen – ja schon das Öffnen einer Website, die mit Buttons bestückt ist, kann die Übermittlung von Daten starten. Mitte September forderte Deutschlands Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner die Bundesministe­rien auf, auf ihren Webseiten auf Facebook-Buttons zu ver­zichten. Grund für den Aufruf sind die Datenschutzrichtlinien von Facebook, die gemäss Aigner sowohl deutsches als auch europäisches Recht verletzen.

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Cookies regelmässig löschen. Die kleinen Verfolgerda­­teien tauschen Infor­ma­tio­nen zwischen Computerprogrammen aus. Je nachdem, ob jemand bei Face­book ist, wird nicht nur die IP-Adresse ans Unternehmen übertragen, sondern auch die Uhrzeit und der Browsertyp, den der Surfer nutzt. Wer mit Firefox surft, kann den Werbeblocker Adblock Plus nut­zen. Cookies sollte man mindestens täglich löschen, damit irgendwelche «Verfolger» nicht kontinuierlich Daten sammeln können. In jedem Web­browser lassen sich Cookies wenigstens manuell löschen.

Bilder sind gefährlicher als Texte, weil Texte zumindest an den Sprachgrenzen haltmachen. Zudem enthalten Bilddateien oft Metadaten: Angaben über die Kamera oder über Ort und Zeitpunkt der Aufnahme. Mit der Möglichkeit der Gesichtserkennung werden Bilder noch viel informativer: «Künftig wird man Tools wie Gesichtserkennung auf dem Handy haben», so Guido Rudolphi. Man trifft sich, macht ein Foto vom Gegenüber und hat sofort eine ­Fülle von Informationen. Es kann auch Situationen geben, in denen alle Vorsicht nichts nützt. Setzt man sich im Res­taurant auf den letzten freien Platz und jemand macht ein Foto, kann sich im Nachhinein herausstellen, dass man neben einem Verbrecher gesessen hat – und schon hat man die Polizei am Hals.

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Löschdienste sind keine Garantie für gelöschte Daten. «Das Löschen von Daten bewirkt nicht immer, dass sie dann auch wirklich weg sind», so Rudolphi. «Viele dieser Angebote sind Augenwischerei, weil einfach anderen Nennungen hö­here Prioritäten zugeteilt werden, damit man die unerwünschten Nennungen nicht mehr so rasch findet.» Es lohnt sich also nicht, Unsummen zu investieren. Existieren wirklich kompromittierende Dateien, ist der teure Fachmann in der Regel eine bessere Hilfe als der günstigere Online-Anbieter.

Emotionen sind ein schlechter Ratgeber. Erfahrungsgemäss gibt man besonders viele und erst noch persönliche Informationen preis, wenn man aufgewühlt ist. Besonders freigebig sind viele, wenn sie über ihre Haustiere oder Kinder schreiben oder wenn sie sich ärgern. Faustregel: Nie direkt aus einer emotionalen Situation heraus hochladen. Und nur Dinge schreiben, zu denen man noch in zwei Jahren stehen kann.

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