«Willst du mein Freund sein?» - eine Frage, die man eher einem kleinen Kind zutraut als einem erwachsenen Menschen. Und doch wird sie täglich von Tausenden mündigen Schweizerinnen und Schweizern gestellt. Nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern in der virtuellen Welt des Internets.

In sogenannten Social Networks (deutsch: soziale Netzwerke) stellen sich die einzelnen Nutzer über ein persönliches Profil vor und lassen andere an ihrem Dasein teilhaben. Sie erzählen zum Beispiel, was sie gerade beschäftigt, zeigen Fotos ihrer letzten Ferien oder schliessen mittels Freundesanfragen neue Kontakte. Und das macht Spass, wie die ständig steigende Zahl von Nutzern beweist.

70 Millionen potentielle Freunde

Zu den beliebtesten Plattformen gehört die amerikanische Site Facebook.com. Sie richtete sich einst im Gründerjahr 2004 nur an Studenten der Harvard-Universität und wurde vom 24-jährigen Mark Zuckerberg - unterdessen Milliardär - entwickelt. Erst kürzlich wurde eine deutschsprachige Version von Facebook lanciert. Ein Profil zu eröffnen ist kostenlos und leicht zu handhaben: Neben dem Namen, der E-Mail-Adresse und dem Geburtsdatum braucht es bloss ein selbstgewähltes Passwort, und schon ist man Teil einer Gemeinschaft mit fast 70 Millionen Mitgliedern. Richtig los gehts jedoch, wenn man sein Profil mit zusätzlichen Informationen füttert. Ein Profilfoto gehört innerhalb von Netzwerken fast zum guten Ton, schliesslich wollen künftige Freunde auch wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Die meisten «sozialen Netzwerke» bieten an sich Altbekanntes: integriertes E-Mail-Programm, Instant Messaging, Fotogalerie, Spiele, Veranstaltungs- und Geburtstagskalender; alles an einem zentralen Ort abrufbar. Wirklich sinnvoll ist ein Netzwerk allerdings erst, wenn ein Austausch mit anderen stattfindet. Deshalb suchen die Nutzer solcher Dienste immer wieder alte und neue Bekanntschaften, indem sie Freundesanfragen versenden, die die andere Person annehmen oder ablehnen kann.

Erst durch die gegenseitige Annahme der Freundschaft dürfen in der Regel Nachrichten ausgetauscht, Fotos angeschaut und weitere vernetzende Funktionen genutzt werden. Da über Facebook erkennbar ist, wer wen kennt, ist es ein Leichtes, über bereits bestehende Kontakte neue zu finden. Doch obwohl durch solche Netzwerke tatsächlich neue Bekanntschaften entstehen können, spiegelt die Freundesliste meist das bereits bestehende reale Beziehungsnetz. So gesehen kann die Freundschaftsbörse auch als Adressbuch genutzt werden.

Auch wenn das Netzwerken im Internet Begeisterung auslöst und zuweilen ernsthafte Bekanntschaften geschlossen werden, sollten Social Networks wie Facebook und Co. zurückhaltend mit persönlichen Informationen gefüttert werden. Nutzer solcher Dienste geben oft viel von sich preis, ohne sich der Risiken wirklich bewusst zu sein. Denn vermehrt werden solche Profile auch von Personalverantwortlichen und Schaulustigen besucht - da kann es ungeahnte Folgen haben, wenn man auf einem Foto in Badehosen und mit einem Bier in der Hand in die Kamera grölt. Auch mit den eigenen Adressdaten sollte vorsichtig umgegangen werden. Die Profildaten sollten so wenig wie möglich aussagen, und es empfiehlt sich, die Ansicht des eigenen Profils im Internet so einzuschränken, dass nur wirklich auserwählte Personen alles sehen können.

Neben dem momentan boomenden Facebook gibt es viele weitere Freundschaftsbörsen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben:

  • www.myspace.com, die Nummer eins unter den Social Networks, besticht durch mehr gestalterische Freiheit als Facebook, ist dadurch aber auch unübersichtlicher in der Handhabung.
  • www.lovepeace.ch zielt auf Menschen, denen ein ökologisches und nachhaltiges Leben am Herzen liegt und die ihr Herz auch gleich noch zu vergeben haben. Um wirklich Kontakt mit anderen aufzunehmen, muss man eine Mitgliedschaft bei Greenpeace Schweiz (der Betreiberin der Site) vorweisen können oder sie für 60 Franken erwerben.
  • Studenten treffen sich im Internet auf www.students.ch. Hier werden WG-Zimmer getauscht, Studienprobleme diskutiert oder auch nur die nächsten Partydaten publiziert.
  • Auch die Generation der über 50-Jährigen trifft sich im Netz: Neben vielen nützlichen Artikeln, Internetforen und Ratschlägen speziell für ältere Menschen bietet www.seniorweb.ch die Möglichkeit, ein eigenes Profil zu erstellen und einfach mit anderen Senioren in Kontakt zu treten.
  • www.xing.com erleichtert die Arbeit von Geschäftsleuten. Statt Visitenkarten auszutauschen, findet man sich nach dem Businessmeeting auf Xing wieder und tauscht dort die Daten aus. Auch das Auffinden von alten Geschäftspartnern wird dadurch leichter. Um alle Funktionen nutzen zu können, muss eine Jahresgebühr bezahlt werden.
  • Wer nach alten Schulfreunden sucht und weniger sich selbst vermarkten will, ist mit der Schweizer Seite www.stayfriends.ch gut bedient.
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