Lärm und Dreck! Gegen den organisierten Sauglattismus!» Die Parolen sind griffig. Sie zielen auf ein Herzstück der Basler Seele: auf Farbenpracht, Larvenparade, auf Trommeln und Pfeifen. Auf die «drey scheenschte Dääg» – die Fasnacht. Ausgerechnet.

Dominique Reber, Leiter Public Affairs einer Grossfirma, stellte sich mit zahlreichen Petitionsbögen auf den Barfüsserplatz. «Können Sie an Fasnacht auch nicht mehr schlafen?», fragte er die erstaunten Passanten. Sollten Lärmmessungen den Grenzwert überschreiten, verlangte er, habe der Grosse Rat den traditionellen Anlass umgehend abzuschaffen.

Sein Anliegen ging noch am selben Tag über den Sender eines Lokalradios. Reber referierte mit grossem Ernst. Die «Basler Zeitung» griff den Vorstoss ebenfalls auf: «Deutscher will Fasnacht abschaffen», hiess es dort. Der betreffende Journalist hatte auf der Internetseite des Petitionärs dessen Geburtsort in Deutschland geortet. «Schwoobesaich!», konterte prompt der Verfasser eines Leserbriefs. Doch die «Badische Zeitung» stellte einen Tag später klar: Bei Reber handle es sich um einen Basler, keinen Deutschen – und die ganzen Aktion sei im Übrigen bloss ein Scherz.

Eine Wette zum Polterabend

Wie kommt ein Basler darauf, seine Fasnacht zu verhöhnen? Nun: Ein Bekannter Rebers – ein St. Galler – wohnte während seiner Studienzeit im Zentrum Basels. Die fasnächtlichen Immissionen vermochten sein Herz nicht zu erwärmen. Jahre später, als Rebers Hochzeit anstand, ersann man eine Wette: Schafft es der Bräutigam, 300 Stimmen gegen die Basler Fasnacht zu sammeln, finanzieren die Gäste den Polterabend. Gelingt ihm dies nicht, geht die Rechnung zu seinen Lasten.

Die Baslerinnen und Basler reagierten auf den Gag sehr unterschiedlich: «Einige gratulierten mir, andere wünschten mich ins Pfefferland», lacht Reber. Als der «ganze Zirkus» hingegen die Medien erreichte, wurde es ihm «zusehends unheimlich». Über seine Homepage kamen da «schon sehr eigenartige Mails».

Der Bräutigam sammelte innert dreier Stunden 170 Unterschriften. Die Sache ist für ihn längst Schnee von gestern. Und doch hat er zwei Dinge gelernt. «Erstens: Aus jeder Parole, und sei sie auch noch so absurd, kann ein Politikum werden. Zweitens: Menschen, die die Heiterkeit verteidigen, tun dies oft mit verbissenem Ernst.»

Quelle: Michael Heim
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