Die Ratten verlassen das sinkende Schiff», heisst es. Diese Ratte war sehr weise. Sie betrat es schon gar nicht erst. Oder nur ein bisschen. Ein entscheidendes kleines Bisschen.

«Dein Boot ist gesunken!» Als ein Hafenanwohner den Fischereiaufseher Kurt Egloff anrief, hielt der ihn erst für betrunken. «Chabis, Lölizüüg, hör doch uuf!», entgegnete er; ohne Last liege das Schiff immer schräg. Der Anwohner insistierte. Kurt Egloff erschien. Er sagte: «Jesses Gott und Vater!»

Die Seepolizei kam wenig später. War aus dem Boot Treibstoff entwichen? Ein 30 Meter langes Vlies wurde um das Objekt gelegt. Pumpen entfernten das eingedrungene Wasser. Luftkissen stiessen das Schiff vom Grund, ein Kran zog es gen Himmel. Die Bergung dauerte vier Stunden. Wenig später stand die Ursache der Havarie fest. Im Auspuffschlauch gähnten drei kinderfaustgrosse Löcher. Wie hatte das bloss geschehen können?

Bissiger Export aus Kanada


Nun: Als europäische Pelzhändler die Bisamratte aus Kanada einführten, galt ihre Hoffnung dem Fell des Tieres. Doch sie produzierte in unseren Breitengraden nie das samtene Haar ihrer Vorfahren. Schon bald begann der Bisam seine Wühltätigkeit abseits der Zuchtfarmen. Seine Bauten gräbt das Tier ausschliesslich in Böschungen von Ufern. Der Nager taucht und schwimmt hervorragend; er hat in Europa schon viele Ufer unterhöhlt. Die Schäden sind beträchtlich.

Wann und wie das Tier in die thurgauische Unterseegemeinde Ermatingen kam, ist unklar. Eine Pfahlwand schützt den Hafen des einstigen Fischerdörfchens. Zahlreiche Boote schaukeln hier, unter ihnen auch «Daphnia», zehn Meter lang, sechs Tonnen schwer, mit einer Traglast von zwei Tonnen. Warum versenkte das Tier ausgerechnet das Boot des Fischereiaufsehers?

Zeugen gibt es nicht. Für eine Rekonstruktion der Tat fehlen die Mittel. Doch der Verdacht ist klar. Nur Kurt Egloffs Boot hat einen Auspuff im Wasser. Das Tier witterte darin womöglich die Chance für einen Bau; wahrscheinlich konnte es im Schlauch nicht mehr wenden. Es biss sich jedenfalls durch das gummierte Gewebe und tauchte unbeschadet wieder auf.

Nicht so das Schiff. Vom Wasser zerstört wurden: die gesamte Elektronik, die Schaltbox, Heizung, Autopilot und Sicherungen. Der Schaden beläuft sich auf rund 45000 Franken.