Adelheid Souchay aus Wohlen BE, Clint Eastwood aus Carmel, Kalifornien, und der Aargauer Heinz Oftinger können sich glücklich schätzen: Alle drei sind sie stolze Träger eines Oscars. Oftinger wurde von der Schweizerischen Gesellschaft für Ideen- und Innovationsmanagement (Idée-Suisse) in Zürich mit dem «Goldenen Ideen-Umsetzungs-Oscar» geehrt. Eastwood räumte mit seinem Film «Million Dollar Baby» in Hollywood gleich vier Oscars ab. Souchay organisiert in ihrem Wohlener Wohnquartier kostenlose Musikmatineen und erhielt von ihrer Gemeinde den «Wohlener Oscar».

Besondere Leistungen haben ihre verdiente Würdigung erfahren. In der Welt der Preise und Orden wäre alles zum Besten bestellt – hätten nicht findige Advokaten in Hollywood eine grosse Gefahr erkannt: die der «Verwässerung». So erhielten die Gemeinde Wohlen, die Idée-Suisse, aber auch die FDP Schweiz und die Tiefkühlprodukteherstellerin Kadi AG in Langnau BE Post von einer Zürcher Anwaltskanzlei. Unter Androhung einer Schadenersatzklage und dem Hinweis auf das Urheber- und Markenrecht wurden die Angeschriebenen aufgefordert, die Oscar-Verleihungen sofort einzustellen.

Die Kantonalsektionen der FDP ehren mit einem KMU-Oscar seit Jahren innovative Unternehmen, der beste Schweizer Koch erhält von der Kadi AG eine Oscar-ähnliche Statuette. Damit finde, so heissts im Schreiben der Anwaltskanzlei, eine «Verwässerung» der Marke Oscar statt, so dass «die Marke im Laufe der Zeit die zentrale Funktion der Unterscheidungskraft vollends verliert». Souchay oder Oftinger müssten also damit rechnen, dass bald Autogrammjäger aus aller Welt bei ihnen Schlange stehen, während Eastwood im fernen Carmel einsam der Vergessenheit anheim zu fallen drohte.

Ein Schreckensszenario, das die unautorisierten Oscar-Verleiher vermeiden möchten. «Wir haben alle Hinweise auf den Oscar von unserer Website genommen und werden uns einen anderen Namen ausdenken», sagt der Wohlener Gemeindepräsident Christian Müller. Auch die FDP will laut Mediensprecher Christian Weber den Trophäennamen ändern. «Wir freuen uns aber, dass die Ausstrahlung unserer Partei bis nach Hollywood reicht», so Weber.

Dass die Gefahr damit nicht gebannt ist, zeigt eine kurze Recherche: In der Schweiz verleihen weitere Organisationen Oscars – zur Stunde von Hollywood noch unentdeckt, was in diesem Fall kein Nachteil ist. Welche Organisationen das sind, sei hier nicht verraten: Wers selber rauskriegt, bekommt einen Schnüffler-Oscar.

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Nachträgliche Korrigenda

Die Kadi AG hat ihren Sitz nicht in Langnau BE, sondern in Langenthal. Wir bedauern diesen Fehler.