Achtung schwarzes Loch! Zugreisende kennen das Phänomen: Kaum taucht der Wagen ins Dunkel des Tunnels, sendet das Handy ins Leere. Aus und amen. Aber auch auf freiem Feld ist der Handyempfang auf dem Schweizer Bahnnetz miserabel das macht ein Beobachter-Test auf der SBB-Linie zwischen Bern und Zürich deutlich.

60000 Personen sind täglich auf dieser Hauptachse unterwegs, und nicht wenige von ihnen nutzen die Zeit im Zug fürs Telefonieren. Doch von optimalem Empfang keine Spur: Von den 828 Testanrufen, die der Beobachter in sechs Zügen zwischen Zürich und Bern startete, wurden nur gerade 61 Prozent planmässig beendet. Bei jedem fünften Versuch konnte gar keine Verbindung aufgebaut werden.

Wer übers Swisscom-Netz telefoniert, hat dabei noch Glück im Unglück: Nur jeder dritte Anruf endete im Nichts. Beim Testverlierer Sunrise (ehemals Diax) war es fast jeder zweite. Knackpunkt waren die Tunnels: Nur die Swisscom-Anrufe kamen auch im Dunkeln durch. Bei den Anbietern Orange und Sunrise brach die Verbindung jedes Mal gnadenlos ab.

«Die Versorgung der Tunnels ist sehr aufwändig», sagt Swisscom-Pressesprecher Sepp Huber. Man rüste aber laufend weitere Tunnels mit Sendeanlagen aus. In den letzten Monaten investierte die Ex-Telefonmonopolistin einen zweistelligen Millionenbetrag in die Verbesserung der Antennenversorgung entlang den SBB-Linien.

Handyservice kostet Unsummen

Dass die Swisscom beim Netztest am besten abschnitt, ist für Orange-Pressesprecherin Therese Wenger kein Wunder. «Die Firma hat in dieser Beziehung einen zeitlichen Vorsprung von mehreren Jahren.» Doch auch Orange investiere in den nächsten Monaten rund 30 Millionen Franken, um eine optimale Abdeckung auf den SBB-Hauptstrecken zu garantieren. Bei Sunrise tönt es ähnlich. Der Bedarf scheint erkannt: Alle drei Anbieter versprechen für die nächsten Monate eine starke Empfangsverbesserung entlang den Bahnlinien.

Und wo es nicht anders geht, spannen die Konkurrenten sogar zusammen. Denn eine gute Netzabdeckung allein reicht noch nicht, um in den Zügen einen guten Handyempfang zu haben. Das Hauptproblem liegt bei den Zugwagen selbst. Das Metall der Waggons bildet einen hervorragenden Schirm gegen Telefonsignale. Diese können darum nur durch die Fensterscheiben empfangen werden. Die Antireflexscheiben der neueren, klimatisierten Wagen weisen die Telefonsignale jedoch ab.

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Besseren Empfang bieten nur Extraantennen in den Zugwagen. Die drei Netzanbieter setzten sich deshalb vor kurzem mit den SBB zusammen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Dabei darf laut den SBB die Strahlung im Wageninnern auf keinen Fall stärker werden. Doch auch für Pressesprecher Jean-Louis Scherz ist klar: «Heutzutage ist das Bedürfnis der Reisenden gross, im Zug telefonieren zu können.»

Jetzt werden die Wagen deshalb mit so genannten «Repeatern» nachgerüstet: zuerst die ICN-Neigezüge, dann die Doppelstockwagen und bis ins Jahr 2002 auch die älteren Waggons des Typs EW4.

In alten Wagen klappts prima

Dass dies dringend nötig ist, zeigt der Beobachter-Test. Einzig im nicht klimatisierten, betagten Zugwagentyp EW2 war ein akzeptabler Empfang gewährleistet. In diesen Waggons verliefen 80 Prozent der Testtelefonate störungsfrei. In den drei anderen Testwagen war die Empfangsqualität mies.

Rasche Verbesserungen liegen auch im Interesse der SBB. Sie planen nämlich die Einführung der elektronischen Fahrkarte. Handys dienen dann auch als Zugbillette und sind nicht mehr nur lärmende Störenfriede. Das Billett erscheint als SMS auf dem Mobiltelefon des Fahrgastes, und der Kondukteur kann die Nachricht über sein Kontrollgerät verifizieren. Das ist aber nur sinnvoll, wenn der Empfang auf der ganzen Zugstrecke gewährleistet ist.

Bis es aber so weit ist, gibts für Vieltelefonierer nur eine befriedigende Lösung: im Zug aufs Swisscom-Netz setzen und auch an heissen Sommertagen in einem unklimatisierten, alten Wagen Platz nehmen.