Zwischen Präsentation und nächster Sitzung rasch ein Filet im Teig oder einen Flatscreen kaufen: So sieht heute der Büroalltag aus. Möglich machts das grösste Shoppingcenter der Welt, das Internet. Eine riesige Auswahl, 24 Stunden geöffnet – und wenn man sich die Sachen nach Hause liefern lässt, fällt sogar das Schleppen weg. Mit einem Smartphone trägt man die Mall in der Tasche.

Immer mehr Schweizer kaufen online ein. Der umsatzstärkste Onlinehändler, Digitec Galaxus, hat nun untersucht, wann genau man sich hierzulande auf virtuelle Shoppingtour begibt. Dabei kam Erstaunliches heraus: Eingekauft wird hauptsächlich während der Arbeitszeit. Die Spitzenzeiten liegen zwischen 11 und 12 sowie 16 und 17 Uhr. Dabei gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern: Frauen loggen sich viel häufiger mit Tablet oder Smartphone ein. Auch das Alter spielt eine Rolle: Je älter ein Kunde ist, desto eher kauft er während der Bürozeit ein.

Der Onlinehandel wächst und wächst

2016 stieg der Umsatz der Schweizer Onlinehändler erstmals auf über acht Milliarden Franken – das ist rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Den grössten Umsatz macht die Migros-Tochter Digitec Galaxus. 2016 waren es 704 Millionen Franken – nach Schätzung von E-Commerce-Experte Carpathia ein Plus von 12,5 Prozent.

An zweiter Stelle folgt Kleiderhändler Zalando, der in der Schweiz 534 Millionen Umsatz erwirtschaftet haben soll.

Den dritten Platz belegt Gemischtwarenhändler Amazon mit rund 400 Millionen (2015).

Die Onlineshops jubeln, der stationäre Handel ächzt. Die 25 grössten Shoppingcenter haben seit 2010 über eine halbe Milliarde Franken Umsatz eingebüsst, so die Marktforschungsfirma GfK.

Von der Kaffee- hin zur Kaufpause

«Der Trend zeichnet sich seit Jahren ab», sagt Digitec-Galaxus-Sprecher Alex Hämmerli. «Statt ihre Pausen im Kaffeeraum oder bei einer Zigarette zu verbringen, nutzen immer mehr Arbeitnehmer ihre freie Zeit fürs Stöbern und Shoppen im  Internet.» Ähnliche Erfahrungen macht auch LeShop.ch, die Onlineplattform der Migros. «Das Online-Einkaufen fliesst nahtlos in den Tag ein, wie die Kaffeepause, die ja auch nicht mehr so klar getaktet ist», sagt Chef Dominique Locher. Letztes Jahr konnte LeShop den Umsatz um 3,5 Prozent auf 182,1 Millionen Franken steigern.

Surfen auf Zalando, Amazon und Co. im Büro ist rechtlich vergleichbar mit der Nutzung sozialer Medien oder dem Verfassen privater Mails. Es gibt kein Gesetz, das diese Tätigkeiten verbietet. Es gelte jedoch der Grundsatz, die Arbeitszeit im Interesse des Arbeitgebers zu verbringen, sagt Beobachter-Expertin Anne Sciavilla.

«Wenn es keine internen Richtlinien gibt, ist die private Internetnutzung auf ein absolutes Minimum zu beschränken.»

 

Anne Sciavilla, Beobachter-Expertin

Die Juristin rät dringend davon ab, sich während der Arbeitszeit auf Shoppingtour zu begeben: «Die Erfahrung zeigt, dass man zu lang hängen bleibt.» Ein Flugticket könne auch abends bestellt werden und die Kaffeemaschine oder das Schminktäschchen bis zum Feierabend warten.

«Wichtig ist, die Zeit wieder aufzuholen»

Der Arbeitgeberverband plädiert für ein gesundes Mass. Es sei schon in Ordnung, wenn man auch am Arbeitsplatz mal was Privates erledige, sagt Daniella Lützelschwab, Ressortleiterin Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht. Umgekehrt komme es ja auch gelegentlich vor, dass man am Abend noch geschäftliche Mails bearbeite. «Wichtig ist, dass ein Mitarbeiter die Zeit, die er mit privatem Surfen verbringt, wieder aufholt.» Entscheidend seien klare Regelungen. Es müsse vereinbart werden, ob private Aktivitäten erlaubt seien oder nicht. «Pausen dienen der Erholung. Ob das beim Shopping möglich ist, muss jeder für sich entscheiden.»

Welchen Online-Shops kann ich trauen?

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