Mit einer kleinen Gruppe von Technofans hat alles angefangen. In Kellern und auf illegalen Partys feierten sie die Nächte durch. Heute, gut 15 Jahre später, gehört Zürich zu den populärsten Partystädten in Europa. Dies ist nicht nur der Street-Parade zu verdanken, sondern auch den vielen Klubs. Wer will, kann von Donnerstag bis Montag durchtanzen. Doch die Lokalitäten sind häufig stickig, und dichtes Gedränge ist keine Seltenheit.

Kostenloses Trinkwasser


Bis in die Morgenstunden zu tanzen fordert den Körper. Partygänger wissen, dass sie viel Wasser trinken und Pausen einlegen sollten. Doch so einfach ist das nicht, wenn ein Mineral mehr kostet als ein Bier und die Sofaecke über gerade mal vier Sitzplätze verfügt. «Ich sehe immer wieder Leute, die zusammenbrechen», sagt der 21-jährige Richard Beer. Er ist fast jedes Wochenende in Zürcher Klubs unterwegs.

Jetzt soll es anders werden. Zürcher Klubbesitzer, die Polizei, der medizinische Notfalldienst und die ambulante Drogenhilfe der Stadt Zürich haben gemeinsam Richtlinien für mehr Sicherheit und Komfort erarbeitet. Wer das neue Label Safer Clubbing an seine Tür kleben will, muss den Tanzenden unter anderem gratis Trinkwasser abgeben, Ruhezonen einrichten und für ausreichende Belüftung sorgen. Zudem muss das Sicherheitspersonal medizinisch ausgebildet werden, um im Notfall eingreifen zu können. Das Label steht ebenfalls für HIV-, Sucht- und Gewaltprävention. Damit kein Missbrauch des Gütesiegels stattfindet, werden zweimal jährlich unangemeldete Kontrollen durchgeführt.

«In meiner 15-jährigen Karriere ist es das erste Mal gewesen, dass ich mich in so einer Runde ausgetauscht habe. Und bis jetzt habe ich nur profitiert», sagt Thomas Noser, Geschäftsführer des Klubs Oxa. Er ist froh über die neuen Standards und hofft, dass sich diese bei den Partyveranstaltern durchsetzen werden.

Auch andere Kantone sind am Safer Clubbing interessiert. «Wir stehen mit Klubs in Bern, Genf und Basel in Kontakt», sagt Noser. Und sogar aus dem Ausland liegen Anfragen vor.

Pillen und Pülverchen


Die Probleme sind überall dieselben. Die Partypeople wollen vor allem eins: tanzen und Spass haben. Dass in vielen Klubs Drogen konsumiert werden, können selbst die Veranstalter nicht mehr abstreiten. Schärfere Eingangskontrollen sollen hier Abhilfe schaffen: «Wer bei mir mit Drogen erwischt wird, fliegt raus. Ich habe einen ganzen Ordner voll mit Hausverboten», sagt Noser. Doch die Pillen und Pülverchen lassen sich nur allzu leicht am Sicherheitspersonal vorbeischmuggeln.

Ob sich mit dem Safer Clubbing der Drogenkonsum reduziert, ist fraglich. Aber mit frischer Luft und genügend Wasser tanzt es sich doch gleich viel besser.

Quelle: Dominic Büttner