Stolz konnte der Verein PET-Recycling Schweiz (PRS) unlängst einen Sammelrekord vermelden: Über 700 Millionen Flaschen, das sind rund 27500 Tonnen, wurden recycelt. Kehrseite der Medaille: Weil auch der Verbrauch stark zugenommen hat letztes Jahr wurden in der Schweiz etwa eine Milliarde PET-Flaschen geleert , landet immer mehr PET im Abfall.

Oder nicht einmal dort. «An der Rheinpromenade haben wir bald alle fünf Meter einen Abfalleimer. Aber es liegen immer noch viele PET-Flaschen herum», ärgert sich Jürg Hofer, Leiter des Amts für Umwelt und Energie in Basel. «Pro Tonne kostet uns die Entsorgung inklusive Einsammeln von Hand aus Rabatten oder von Treppen rund 5000 Franken», schätzt er.

Grösseres Sammelnetz nötig

Wie teuer die Beseitigung des PET-Mülls insgesamt ist, kann niemand genau sagen. Sicher ist nur: Der Aufwand für die öffentliche Hand ist enorm. Hinzu kommt, dass bei der PET-Recyclingmenge auch Plastikdeckel, Etikette und Restflüssigkeit mitgewogen werden, wie kürzlich der «Kassensturz» zeigte. Laut der TV-Sendung liegt die tatsächliche Recyclingquote unter dem vorgeschriebenen Minimum von 75 Prozent. Somit ist auch die PET-Abfallmenge höher als bisher von PRS behauptet.

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Vertreter von Städten und Gemeinden, des Handels, des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) sowie von PET-Recycling Schweiz haben sich deshalb getroffen. Fazit: Es braucht dringend eine zuverlässigere Messmethode. Das Netz der Sammelstellen müsse schnellstens erweitert werden und etwa auch Wurstbuden, Tankstellen-Shops oder Kioske umfassen. Diese sind bis jetzt nicht direkt zum Sammeln verpflichtet.

«Wahrscheinlich waren wir lange zu tolerant», meint Hans-Peter Fahrni, Leiter der Sektion Abfall im Buwal. «Wenn die getroffenen Massnahmen nicht greifen, ziehen wir die Einführung eines Pfands für kleine Flaschen in Erwägung.»

Doch nicht nur die kleinen, auch die 1,5-Liter-Flaschen landen immer häufiger im Abfall. Mitverantwortlich für diesen Trend sind die Grossverteiler. Migros schaffte letztes Jahr das Pfand auf Einwegflaschen ab. Coop zog kürzlich nach und hat die ökologisch sinnvollen, mit Pfand belegten PET-Mehrwegflaschen der Umsatzrenner Coca, Sprite und Fanta durch Einwegflaschen ohne Pfand ersetzt. Bei Mineralwasser und Eigenmarken hält Coop es schon länger so. Das entspreche einem «vielfachen Konsumentenwunsch», heisst es. Tatsache ist: Ein Pfand bedeutet Mehraufwand, und den scheut der Handel.

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«Höchste zeit für Sanktionen»

Setzt sich der Einwegtrend fort, gehören Mehrwegflaschen mit Ausnahme von Wein und Bier schon bald der Vergangenheit an. Sehr zum Unmut von Hans-Peter Fahrni: «Wenn man Süssgetränke und Mineralwasser nur noch in Einwegflaschen kaufen kann, hat das mit der viel beschworenen Wahlfreiheit des Konsumenten nichts mehr zu tun. Wahrscheinlich müssen wir den Handel dazu verpflichten, jeweils mindestens einen umsatzstarken Getränketyp auch in der Mehrwegflasche anzubieten.» Die gesetzlichen Grundlagen dafür gebe es.

Ob Mehrwegpflicht oder Pfand auf kleine PET-Flaschen: Jacqueline Bachmann, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, begrüsst die geplanten Massnahmen, sofern sie denn auch durchgesetzt werden. «Es wird höchste Zeit, dass sich das Buwal Respekt verschafft und auch zu Sanktionen greift. Es hat sich zu lange vom Handel und von der Getränkelobby gängeln lassen.»

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