Die Ente kam mit dem Mofa. Und sie kam in Begleitung. Nebst der Ferienpostkarte in Entenform brachte der Pöstler eine zweite Karte. Der Empfänger müsse 20 Rappen nachzahlen, schrieb die Post. «Meine Mutter hat die Karte von einer Nachbarin aus den Ferien erhalten», sagt Heinz Moser (Bild) aus Riedholz SO.

Am Postschalter lauschte Moser der Begründung für die Zusatzgebühr. Die Sortiermaschine könne mit der Ente nichts anfangen, hiess es. Und Sendungen, die von Hand sortiert werden müssen, kosten 20 Rappen extra. Moser zahlte und fragte nach einer Quittung. Worauf die Frau den Computer startete und einen 20-Rappen-Beleg ausdruckte. Heinz Moser machte sich auf den Heimweg. «Wissend, dass unsere Post schaut, wie sie zu ihrem Geld kommt koste es, was es wolle.»

Gewundert hat sich auch Annemarie Müller aus Horw LU. Für ihren Göttibub hatte sie ein originelles Geschenk gebastelt. Das Paket mass 42 mal 32 Zentimeter und war einen halben Zentimeter dick. Ein normales Format, könnte man meinen. Doch die modernen Sortieranlagen der Post sind damit überfordert. «Als Brief zu gross und als Päckli zu dünn», sagte die Postbeamtin. Ein Paket muss mindestens einen Zentimeter dick sein, sonst schlüpft es unter den Sensoren durch. Für die Handarbeit hätte Annemarie Müller zehn Franken Sperrgutzuschlag zahlen sollen. Zu Hause holte sie eine alte Kleiderschachtel vom Estrich und verpackte neu. «Als ob man nichts anderes zu tun hätte», ärgert sie sich.

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Zwei typische Beispiele. Beim gelben Riesen zählt nur noch Länge mal Breite mal Höhe mal Gewicht. Und zwar streng genormt. Alles andere kostet extra. Jede noch so originell verpackte Sendung wird mit Strichcode-Klebern und öden Automaten-Briefmarken zugepflastert. Adresse, Absender und Marken müssen präzis sitzen, sonst gibts am Schalter einen Rüffel.

Die Post wird immer moderner und immer komplizierter. Am liebsten hätte sie, alle Pakete würden in einer ihrer sieben Postpac-Faltschachteln verschickt. Denn die neuen Sortieranlagen rechnen sich nur, wenn möglichst viele Briefe und Pakete automatisch verarbeitet werden. Staus und Sortieren von Hand kosten Geld.

Klagen landauf und landab: «Bei der Post stehen nicht die Kunden im Mittelpunkt, sondern die technischen Abläufe», ärgert sich Claude Boillat, Vizeleiter eines Sonderschulheims in Riehen BS. Beim Versand der Heimbroschüre stopft Boillat jeweils Styropor-Flocken ins Kuvert so wird das Paket einen Zentimeter dick und gilt nicht als Sperrgut. Sein Fazit: «Die Technik macht Fortschritte, aber das Leben wird nicht einfacher.»

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Trotz neuster Technik geht immer wieder Ware verloren. Romy Nützi aus Lyss BE gewann mit einem Tribolo-Los 500 Franken. Auf der Losrückseite heisst es, dieser Gewinn müsse per eingeschriebenen Brief angefordert werden. Das tat Romy Nützi. «Doch die Postangestellte fragte mich nicht, ob ich den Brief als versicherten lettre assurance schicken möchte», ärgert sich die Kundin. Nur dann zahlt die Post. Es kam, wie es kommen musste: Der Brief ging verloren und der Gewinn löste sich in Luft auf; die Post weigert sich, die 500 Franken zu bezahlen.

Ins Bild passt auch die Ankündigung der Post, in den nächsten Jahren 700 bis 900 unrentable Filialen zu schliessen. Die Gewerkschaften beobachten den Umbau der Post vom Staatsbetrieb zur Firma mit möglichst hoher Rendite mit Sorgen.

«Für unsere Leute ist die Situation nicht einfach», sagt Samuel Koenig von der Gewerkschaft Kommunikation. Den Ärger der Kundschaft muss nämlich das Personal am Schalter abfedern.

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Immer wieder wundern sich die Angestellten über praxisferne Entscheide aus der Chefetage. So macht die Vorschrift, Pakete unverschnürt auf die Postreise zu schicken, nicht nur die Kundschaft wütend. Auch die Postbelegschaft tut sich schwer damit. Das Schnurverbot ist laut Koenig «bei der Annahme und Zustellung der Pakete eine Behinderung».

Unter fünf Franken geht nichts

Dass sie die Kundschaft ganz vernachlässigt, kann man der Post nicht vorwerfen. Im Gegenteil: In den letzten Wochen fällt sie durch Aktionismus auf. Zuerst lancierte sie zusammen mit Nestlé das «Swiss Army Pack». Für Fr. 33.30 können die Liebsten ihren Soldaten fertig verpackte Fresspäckli in zwei Varianten schicken. Dann wurde die Zusammenarbeit mit der UBS im Kreditgeschäft publik. Und wenig später gab die Post zum Ärger der Papeteristen bekannt, sie werde in 120 Filialen versuchsweise Büroartikel verkaufen. Bei so vielen Frohbotschaften gehen die ständigen Tariferhöhungen fast vergessen. Das günstigste Paket kostet heute fünf Franken rund doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Und per 1. April werden erneut Zusatzleistungen teurer, weil sie laut Post «sehr zeit- und kostenintensiv sind».

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Die Post ist stolz darauf, dass 97 von 100 Sendungen fristgerecht ankommen. Das nützt jenen wenig, deren Briefe und Pakete liegen bleiben. Die Schachtel Schokolade, die Emmy Häsler ihrer Tochter zum Geburtstag von Thun ins zehn Kilometer entfernte Münsingen schickte, war fünf Tage unterwegs. «Und das bei fünf Franken Porto», nervt sich die Kundin.

Wenig Freude an der Post hat auch jener Zürcher Student, der in Lausanne eine neue Liebe gefunden hat. Nach Vaters Sitte schickt er jeweils seine Gefühle Mitte der Woche auf die A-Postreise Richtung Westschweiz. Schon mehrmals musste er den Brief am Samstag selber aus dem Briefkasten seiner Freundin fischen. Immerhin: Die Liebste kann wenigstens in Ruhe nochmals nachlesen, was er ihr schon längstens mündlich gesagt hat.

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