Opendownload.de, 1000gratissms.de, Routenplaner-online.de: Die Internetseiten klingen vielversprechend. Doch wer glaubt, dort etwas gratis runterladen zu können, tappt in die Falle. 1600 Beschwerden gingen dieses Jahr im Beobachter-Beratungszentrum über die Internet­absahner ein. Dahinter stehen Firmen wie die Mannheimer Content Services Ltd. oder auch das Unternehmen Redico der Schmidtlein-Brüder, den ­Internetabzockern der ersten Stunde. Ihre Masche ist immer dieselbe: Auf den ersten Blick ist alles kostenlos. Doch einmal registriert oder angemeldet, hagelt es Rechnungen und Mahnungen. Schliesslich flattert das Schrei­ben einer Inkassofirma oder eines Rechtsanwalts wie Olaf Tank ins Haus. Die Rede ist von Betreibung und Straf­gericht. Bis jetzt ist zwar kein Fall bekannt, in dem die Drohung wahr gemacht worden wäre. Die Taktik aber bewährt sich seit Jahren: Der erste Platz unter den Flop Five geht an die Inter­net­abzocker – zum dritten Mal in Folge.

Auf Platz zwei des Prix-Blamage-Rankings liegt die Cablecom. Der Kabelfernseh-, Telefonie- und Internetanbieter verteidigt seit Jahren einen der vordersten Plätze. Willkürlich versandte Rechnungen, defekte Modems, ein überforderter Kundendienst; dies sind nur einige der Punkte, die bei unzähligen Cablecom-Kunden für rote Köpfe sorgen. Firmensprecherin Deborah Bucher stellt Verbesserungen in Aussicht, wie in den letzten Jahren auch schon: «Wir sind überzeugt, dass die inzwischen bereits erreichten Verbesserungen – wie etwa verkürzte Wartezeiten und schnellere Prob­lembehebung bei Serviceunterbrüchen – schon bald auch von der breiten ­Öffentlichkeit wahrgenommen werden.»

Eins steht fest: Der Name Cablecom taucht zum letzten Mal auf der Liste auf. 2010 benennt sich die Firma in UPC um.

«Ein Ansporn, uns weiter zu verbessern»

Viel Terrain schlechtgemacht hat Sunrise: Letztes Jahr noch auf Platz fünf, liegt das Telekom-Unternehmen 2009 auf dem dritten Rang. Chaos im Rechnungswesen, Aufschaltungen, die tagelang nicht klappen und dennoch in Rechnung gestellt werden, und aggressive Anwerbung verärgerten die Kunden am meisten. Dieses Jahr hat Sunrise zudem noch die Klagen über die übernommenen Firmen Econophone und Tele2 zu tragen. Sunrise ist sich der Probleme bewusst. Man habe bereits einige Verbesserungen bei der Wartung und beim Kundendienst vorgenommen, sagt Sprecher Gottar­do Pestalozzi. «Wir sind sicher, dass das Prix-Blamage-Rating nicht die Realität der grossen Mehrheit unserer Kunden widerspiegelt, nehmen es aber als Ansporn, um uns noch weiter zu verbessern.»

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Auch Swisscom kämpft mit verärgerten Kunden und belegt den vierten Platz. Die meisten Klagen hörte unser Beratungsteam über unerwartet hohe SMS-Rechnungen. Schuld daran sind SMS-Abos, die die Betroffenen unwissentlich ausgelöst ­haben. Seien es Klingeltöne, die man im Netz runterlädt, sei es ein Gewinnspiel, bei dem man die Handynummer angegeben hat – schon erhält man regelmässig kostenpflichtige Kurzmeldungen. Swisscom stellt sich auf den Standpunkt, sie sei nur Vermittlerin, aber nicht Anbieterin dieser Dienste, wie Sprecherin Myriam Ziesack sagt. Die Diens­te könnten vom Kunden selber oder über die Swisscom-Hotline gestoppt werden. Das Problem ist nur, dass Betroffene meist erst Ende Monat beim Eintreffen der Rechnung merken, was geschehen ist. Ziesack: «Swisscom ist bemüht, den Kunden so weit wie möglich zu helfen und eine befriedigende Lösung zu bieten.» Der Beo­b­achter rät aber, den unbestrittenen Teil der Rech­nung zu bezahlen, die Beträge für die unbestellten Pre­mium-SMS dagegen nicht.

Platz fünf in der Prix-Blamage-Rangliste geht an Intrum Justitia. Das Inkassounternehmen gilt seit längerem als unzimperlich, wenn es darum geht, Forderungen einzutreiben. Zu viele stellen sich als ­unberechtigt heraus. Zudem machen die Geldeintreiber beinahe systematisch einen Verzugsschaden geltend, der nicht geschuldet ist und nicht bezahlt werden muss. Intrum hält es nicht für nötig, dem Be­ob­ach­ter einen Kommentar dazu abzugeben. Auch dafür eine Goldene Gurke.

Knapp nicht in die Flop Five geschafft haben es die Branchenregisterfirmen wie B&P, die ihre Opfer durch Täuschung ausnehmen. Doch die stetig steigende Zahl von Klagen könnte bedeuten, dass sie 2010 ins Spitzenfeld vorstossen. Im Visier der Registerhaie sind vor allem Kleinunter­nehmer, die die irreführenden Formulare nicht immer im Detail lesen. So verschicken die Branchenregisterfirmen etwa Aufforderungen zur Vertragsverlängerung, obwohl noch gar kein Vertrag besteht. Wer unterschreibt, sitzt in der Falle.

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