Tell-Tex, Nummer zwei im Schweizer Markt und einziger Konkurrent von Texaid, ist eine Kooperation mit dem deutschen Recyclingkonzern Soex eingegangen. Das ärgert Texaid offensichtlich gewaltig. In der «Samariter-Zeitung» schreibt Texaid-Sprecherin Lilly Sulzbacher, dass Soex zwar mit «höheren gemeinnützigen Beiträgen» locke, aber keinen karitativen Hintergrund habe und sich «unserer Volkswirtschaft gegenüber» nicht verpflichtet fühle. «Springen unsere Samaritervereine auf diesen Zug auf, schwächen sie nicht nur Texaid, sondern mittelfristig auch sich selbst», heisst es.

Darüber ärgert sich Tell-Tex-Gründerin und Geschäftsführerin Gisela Pleuss. Tatsächlich gibt Tell-Tex pro Tonne ­gesammelter Textilien über 50 Prozent mehr Geld an gemeinnützige Organisationen weiter als Texaid. «Und die Koopera­tion mit Soex hilft uns, das ­Sortierwerk in Safenwil auszubauen. Damit können wir zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.» Zudem lassen sich Texti­lien unter dem neuen Konzept nachhaltiger verwerten. «Bis hin zu den Flusen im Lüftungssieb wird alles genutzt.»

Verschmähte Liebe?

Mehr Geld für die Hilfswerke, mehr Nachhaltigkeit, neue Arbeitsplätze – gute Gründe für Samaritervereine, mit Tell-Tex zusammenzuarbeiten. Der Unmut von Texaid rührt möglicherweise aber auch daher, dass Tell-Tex in der Vergangenheit ihren Annäherungsversuchen wiederholt widerstanden hat. Insidern zufolge soll Texaid eine «sehr hohe Summe» geboten haben. Von einem solchen Angebot will Texaid-Geschäftsführer Martin Böschen aber nichts wissen.

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