1. Home
  2. Konsum
  3. Reisen
  4. Air Berlin und Niki pleite: Bekomme ich noch mein Geld?

Air Berlin und Niki pleiteBekomme ich noch mein Geld?

Nach Air Berlin hat nun auch deren Tochtergesellschaft Niki per Mitte Dezember ihren Flugplan eingestellt.

Air Berlin ist am Boden und auch bei Niki ist die Luft endgültig raus. Was das für rechtliche Konsequenzen für betroffene Passagiere hat, erfahren Sie hier.

von und aktualisiert am 29. Dezember 2017

Am 12. Oktober einigte sich die Lufthansa mit Air Berlin auf einen Kaufvertrag. Die grösste deutsche Fluggesellschaft übernimmt 81 Flugzeuge sowie die damit verbundenen Start- und Landerechte der insolventen Air Berlin. Auch die britische Billig-Airline Easyjet beteiligte sich am Kauf von 25 Jets sowie an Slots für Start- und Landerechte, die hauptsächlich den Flughafen Berlin betreffen.

Währenddessen baut Lufthansa seine Tochtergesellschaft Eurowings weiter aus und integriert nach und nach ehemalige Kurz- und Mittelstrecken der Air Berlin in ihren Flugplan. Wegen kartellrechtlicher Bestimmungen musste Eurowings jedoch zuletzt einige innerdeutsche Flüge streichen, die ab Januar 2018 von der insolventen Air Berlin hätten übernommen werden sollen.

Seit dem 28. Oktober fliegen offiziell keine Maschinen mehr mit dem Airline-Code AB. Was der Umstrukturierungsprozess für Passagiere bedeutet, die auf verfallenen Flugtickets von Air Berlin sitzen und wie es mit der Tochtergesellschaft Niki weitergeht, lesen Sie hier.

Fragen und Antworten zur Pleite von Air Berlin und Niki

1. Mein Flugticket von Air Berlin ist wegen der Pleite nicht mehr gültig. Erhalte ich die Ticketkosten zurück?
Das kommt darauf an, wann Sie Ihr Ticket gekauft haben. Wenn es vor dem 15. August – dem Tag, an dem Air Berlin den Insolvenzantrag gestellt hat – ausgestellt wurde, erhalten Sie die Kosten aus «insolvenzrechtlichen Gründen» nicht mehr zurück. Für Tickets, die nach dem 15. August erworben wurden, erhalten betroffene Passagiere immerhin eine Erstattung des Flugpreises. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Website von Air Berlin.
 


2. Kann ich einen Schadenersatz von Air Berlin fordern?
Diese theoretische Möglichkeit besteht, wird jedoch einiges an Geduld abverlangen, die sich wahrscheinlich nicht auszahlen wird. Aus insolvenzrechtlichen Gründen kann Air Berlin Kompensationszahlungen für Abflüge vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. November 2017 verweigern. Wäre Ihr Abflug nach diesem Datum gewesen, können Sie Ihre Kompensationsforderung zur Insolvenztabelle anmelden. Hierzu müssten Sie eigentlich unaufgefordert ein Formular der Air Berlin erhalten haben.
 


3. Air Berlin schreibt auf ihrer Website, dass man bei einer Stornierung den gesetzlichen Anteil an Steuern und Gebühren nicht zurückerstattet bekommt. Ist das wirklich so?
Unter Steuern und Gebühren listet Air Berlin bei einer Flugbuchung die Posten Luftverkehrssteuer, Passagiergebühren, Flughafengebühren sowie sonstige Gebühren auf. Die Taxe für den Flughafen zahlen Sie auf keinen Fall. Diese schuldet die Airline nämlich nur dann dem Flughafen, wenn der Passagier tatsächlich in der Maschine sitzt. Die restlichen Gebühren und Steuern sind aber aus insolvenzrechtlichen Gründen fällig und sie müssen Sie wohl oder übel bezahlen.
 


4. Ich hatte über eine Dritt-Plattform einen gestrichenen Flug mit Air Berlin gebucht. An wen kann ich mich wenden?
Online-Plattformen funktionieren fast ausschliesslich als reine Vermittlungsgesellschaften. Das heisst: Wenn Sie einen Flug gebucht haben, ist der Vertrag direkt mit Air Berlin zustande gekommen und nicht etwa mit der Buchungsplattform. Darum müssen Sie auch Ihre Rechte direkt gegenüber Air Berlin geltend machen.
 


5. Über das Reisebüro habe ich Badeferien auf Palma de Mallorca gebucht. Wer fliegt mich von den Balearen zurück nach Hause, wenn bei Niki keine Flieger mehr abheben?
Wenn Sie eine Pauschalreise (also zum Beispiel Flug und Hotel oder Flug und Mietwagen) gebucht haben, muss Ihnen das Reisebüro einen akzeptablen Ersatzflug in die Heimat anbieten. Kleinere Abweichungen von Ihrer ursprünglichen Buchung – etwa bei der Abflugszeit – müssen Sie sich in diesem Fall aber gefallen lassen. Wie es aussieht, wenn Sie direkt über Niki gebucht haben, sehen Sie in Frage 6.
 


6. Was ist der derzeitige Stand von Niki?
Die Air Berlin-Tochter hat ein Insolvenzverfahren eingeleitet und den Flugebetrieb per Mitte Dezember eingestellt. Bis anhin hatte die deutsche Lufthansa, die selber Interesse an der österreichischen Airline anmeldete, mit einem Überbrückungskredit ausgeholfen. Dieser fiel jedoch weg, nachdem die EU-Kommission eine Freigabe aufgrund befürchteter Monopolstrecken blockierte. Zurzeit wird mit verschiedenen Fluggesellschaften verhandelt. Mehrere Airlines haben sich bereit erklärt, alle noch verbleibenden Passagiere bis zum 31. Dezember vom Ausland nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz zurückzuholen. Auch die österreichische Regierung kündigte an, staatliche Hilfe zu leisten und notfalls die Austrian Airlines mit Charterflügen zu beauftragen. Mehr Informationen über die beteiligten Fluggesellschaften bei der Rückholaktion und darüber, wie Fluggäste bei Rückforderungen vorgehen, findet man auf der Website von Niki.
 


7. Ich habe erfolglos bei Air Berlin und Niki interveniert. Kann ich meine Kosten endgültig abschreiben?
Wenn Sie bei den Airlines direkt über die offiziellen Verkaufsstellen per Kreditkarte gebucht haben, können Sie sich als letzten Angelpunkt an die Kreditkartenfirma für ein Chargeback-Verfahren wenden. Für die Beanstandung der Kreditkartenabrechnung bleiben einem in der Regel 30 Tage. Jedoch zeigten sich die Kreditkartenfirmen bei der Pleite von Air Berlin teils kulant und gewährten eine Gutschrift für die Ticketkosten.
 


8. Wer kommt für meine Kosten auf, sollte ich wegen eines annullierten Flugs von Air Berlin irgendwo im Ausland festsitzen?
Entscheidend ist, bei wem Sie Ihren Flug gebucht haben. Im Rahmen einer Pauschalreise muss Ihnen der Reiseveranstalter die Rückreise organisieren. Haben Sie Ihr Ticket direkt über Air Berlin, Niki oder über eine reine Vermittlungsplattform gebucht, gelten die oben beschriebenen Bedingungen.
 


9. Für meinen Flug nach Berlin hatte ich einen speziellen Airline-Insolvenz-Schutz abgeschlossen. Was kann ich daraus noch fordern?
Das kommt auf die Allgemeinen Versicherungsbestimmungen an. Diese regeln die Voraussetzungen und auch die Art Ihres Anspruchs. So erstattet Ihnen die Versicherung möglicherweise den Ticketpreis oder beteiligt sich an den Kosten für ein neues Ticket. Die bekannteste Versicherung gegen einen Airline-Konkurs dürfte die Europäische Reiseversicherung (ERV) sein, die es seit dem Swissair-Grounding gibt. Bedingung ist jedoch, dass man diesen Schutz zu einer bestehenden Reise- oder Annullierungsversicherung hinzugebucht hat. Laut Aussagen von Thomas Tanner, Vorsitzender der Geschäftsleitung, gegenüber «Der Bund» hat die Air Berlin-Pleite die ERV bisher 150'000 Franken gekostet. Seit April 2017 hat auch die Mobiliar ein Grounding als versichertes Ereignis in die AGB aufgenommen.


10. Wo bekomme ich sonst noch Hilfe, wenn ich nichts von Air Berlin höre oder die Aussicht auf Rückerstattung des stornierten Flugs klein ist?
Wenn Air Berlin oder Niki nichts bezahlt, können Sie sich mit einer Beschwerde an das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl wenden. Das Bazl kann zwar Ihren Anspruch auf Ausgleichszahlung nicht durchsetzen, es überprüft jedoch die Forderungen der Passagiere und kann für ein Fehlverhalten der Airline Sanktionsmassnahmen erheben.

Als allerletzte Hoffnung könnten Sie sich an eine der untenstehenden Inkassofirmen wenden, die für Flugpassagiere Entschädigungen bei säumigen Airlines einholen. Der Vorteil: Sie müssen sich nicht mit Air Berlin herumschlagen. Der Nachteil: Sie bezahlen für diesen Service eine Gebühr und müssen trotzdem damit rechnen, dass Ihr Geld allenfalls weg ist oder Sie nur einen kleinen Teil wieder erhalten.

Flugrechte über Inkassofirmen einfordern

Diese Portale helfen weiter, wenn Fluggäste nicht von selber aktiv werden wollen. Je nach Inkassofirma gelten unterschiedliche Konditionen. Meist wird eine Provision ab 25 Prozent der Entschädigungssumme fällig:

Flug wurde annulliert - was tun?

loading...

Man freut sich seit Monaten und dann das: Kurz vor der Abreise annulliert die Fluggesellschaft den Flug. Wir haben 3 Tipps, wie sie sich wehren können.

Guider Logo

Mehr zu Reiseversicherungen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wer einen längeren Auslandaufenthalt plant oder öfters im Jahr verreist, wird sich unweigerlich mit der Frage beschäftigen, welche Reiseversicherungen er braucht. Guider informiert seine Mitglieder unter anderem darüber, ob sich eine Annullierungskostenversicherung lohnt und was durch den ETI-Schutzbrief gedeckt ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

1 Kommentar

Sortieren nach:Neuste zuerst
iqstep
Habe auch Lehrgeld gezahlt. Meine Reisekosten waren Gott sei Dank nicht sehr hoch und somit zu verkraften. Was ich viel schlimmer fand war, dass Air Berlin es nicht nötig hatte, mich vor Flugantritt darauf hinzuweisen, dass dieser Flug nicht mehr stattfindet. In der heutigen Zeit der Automatisierung wäre das Stück Kundenpflege doch kein Problem gewesen. Fliege jetzt sehr oft mit der Swiss. Service ist besser und der Sitzabstand auch. Also Freunde des Reisens, alles wird gut.