Die Passagiere sind erleichtert, als der Flieger kurz vor Mitternacht endlich landet. Was sie nicht ahnen: Die Lichter sind nicht wie erwartet diejenigen von Basel, sondern jene von Lyon, 400 Kilometer entfernt. Die Passagiere trauen ihren Ohren nicht, als sie es erfahren.

Der Ärger begann schon vor dem Abflug in London Gatwick. Als Ingrid Meder aus Münchenstein BL Mitte Mai ihren Rückflug antreten will, ist weit und breit kein Flugzeug zu sehen. Die Auskünfte des Personals sind widersprüchlich, der Schalter zwischendurch verwaist. Die Passagiere können dann doch noch in einen Flieger steigen – drei Stunden zu spät. Über den Grund verweigert die Crew jede Auskunft.

«Ich kam mir vor wie abgeschoben»

Und dann die Ankunft auf dem falschen Flughafen. «Wir wären nie auch nur auf die Idee gekommen, dass wir woanders gelandet sind», sagt Petra Engler, ebenfalls an Bord von Flug EZY8535. Erst am Boden erklärt die Pilotin: Man habe in Basel keine Landeerlaubnis mehr erhalten.

Tatsächlich? Beim Euro-Airport in Basel heisst es dazu: Allein die Fluggesellschaft habe entschieden, in Lyon statt in Basel zu landen. An diesem Tag gab es kein schlechtes Wetter, und eigentlich hätte es reichen müssen, rechtzeitig vor Mitternacht in Basel zu landen. Aber: Easyjet beantragte bei der französischen Luftfahrtbehörde eine Ausnahmebewilligung wegen technischer Probleme, um von Basel Mulhouse nachts um halb eins noch einmal in Richtung London starten zu können. Dies lehnte die Behörde aufgrund des Euro-Airport-Reglements ab.

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Die in Lyon Gestrandeten werden von zwei Kinderbussen abgeholt – enge Sitze, keine Toiletten. Beim ersten Zwischenhalt nach halb vier Uhr morgens können die Passagiere erstmals seit dem Abflug Getränke kaufen. Die Strapazen hinterlassen Spuren: Eine Reisende muss erbrechen. Weil sich Tüten erst viel zu spät finden, bleibt sie in ihrem Erbrochenen sitzen. Kurz nach sechs Uhr trifft man schliesslich am Euro-Airport in Basel ein – statt am Vortag um 20.40 Uhr. «Ich kam mir vor wie abgeschoben», sagt Ingrid Meder. Sie ist danach zwei Tage lang krank.

Easyjet-Sprecher Oliver Aust erklärt, der Flieger habe wegen des Nachtflugverbots nicht mehr in Basel landen können. «Es ging hierbei um eine einzige Minute: Basel wäre eine Minute nach Mitternacht erreicht worden.» Grund für die Verspätung ab London sei die «Aschewolke über Grossbritannien» gewesen. Seltsam: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigt dem Beobachter, dass es an diesem Tag keine Aschewolke über den britischen Inseln gab.

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Schlechte Noten für Ryanair und Easyjet

Fluggesellschaften wären verpflichtet, sich in solchen Fällen um die Passagiere zu kümmern. Bei Kurzstreckenflügen mit grossen Verspätungen wird zudem gemäss einem neuen Urteil des Europäischen Gerichtshofs eine Entschädigung fällig (siehe Artikel zum Thema «Flugreisen: Gibts Entschädigung, wenn der Flug verspätet ist?»). Doch die Erfahrung im Beobachter-Beratungszentrum zeigt, dass gerade Billigfluglinien sich häufig um ihre Pflichten drücken wollen. Gründe für Verspätungen und Annullationen werden kaum je genannt.

Wie bei jener Reisenden, die nach Hamburg gebucht hatte, aber am Abend vor Abflug per SMS eine Absage der Airline bekam. In einem anderen Fall verschob die Gesellschaft den Flug kurzerhand auf den nächsten Morgen. Eine Entschädigung für die Hotelübernachtung gab es nicht.

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Die Stiftung Warentest verteilt in einem Test von Billig-Airlines die Tiefstnote «mangelhaft» für den Service von Ryanair, Europas grösstem Tiefpreisflieger. Gleich davor: Easyjet mit der Note «ausreichend». Diese Reihenfolge bestätigt Susanne Smits von Euclaim. Die Firma vertritt Tausende von Passagieren gegenüber Airlines. Kundenservice und Information seien bei Ryanair und Easyjet sehr schlecht. «Bei anderen Gesellschaften kommt das zwar auch vor, aber sehr viel seltener», sagt die Expertin.

Ryanair wurde jetzt vom italienischen Amt für Flugsicherheit mit drei Millionen Euro gebüsst, weil sich die Fluggesellschaft unzureichend um gestrandete Passagiere gekümmert hatte. Ryanair bestreitet diesen Vorwurf und verweist auf die dieses Jahr erwarteten 73 Millionen Kunden. «Diese können nicht alle irren», so eine Sprecherin. Bei Ingrid Meder aber können die Billigflieger nicht mehr landen.

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