Kaffee im Zug kann einen eigenartigen Nachgeschmack haben: Wer auf der Strecke Interlaken–Basel im falschen Speisewagen sitzt, zahlt nämlich nicht 7,6 Prozent Mehrwertsteuer, wie in der Schweizer Gastronomie üblich, sondern 19 Prozent.

Der Grund dafür liegt beim Speisewagen-Betreiber. Auf der besagten Strecke verkehren nicht nur SBB-Intercity- und Cisalpino-Züge mit einem Elvetino-Speisewagen, sondern auch Intercity-Express (ICE) der Deutschen Bahn. In diesen Bahnbistros herrscht deutsches Regime. Die Preise werden in Euro angegeben, 19 Prozent Mehrwertsteuer dazugeschlagen, und der Totalbetrag wird in Franken umgerechnet. Ein Milchkaffee kostet so im deutschen Speisewagen Fr. 4.84, im Elvetino-Speisewagen dagegen nur Fr. 4.10.

Umgekehrt funktionierts auch

Dabei geht aber alles mit rechten Dingen zu, wie die Eidgenössische Steuerverwaltung bestätigt. «Gastgewerbliche Leistungen in Beförderungsmitteln sind am Sitz des Leistungserbringers steuerbar», heisst es im entsprechenden Gesetz. Liegt der Geschäftssitz im Ausland, sind gastgewerbliche Leistungen sogar von der Schweizer Mehrwertsteuer befreit. Weil die deutsche Gesetzgebung aber nach dem gleichen Muster funktioniert, müssen deutsche Firmen ebenfalls an ihrem Firmensitz Mehrwertsteuer abliefern, auch wenn sie in der Schweiz «gastgewerbliche Leistungen» erbringen.

Wer sich an einem tiefen Mehrwertsteuersatz freuen will, muss folglich einfach im Elvetino-Speisewagen ins Ausland fahren, etwa von Zürich nach München: Hier zahlt man – obwohl auf deutschem Territorium – die tiefe Schweizer Mehrwertsteuer statt der horrenden 19 Prozent.