Statt eines Zuschlags von zehn Franken gibt es 90 Franken Busse und einen Eintrag ins Register der Bahn: Wer ab Dezember ohne Billett im Schnellzug sitzt, den behandeln die SBB wie einen Schwarzfahrer. Benedikt Weibel, bis 2006 Chef der SBB, macht das Gegenteil: Er setzt bei seinem neusten Projekt voll auf Kundenservice.

Pro Wagen ein Kondukteur

Die private Westbahn, deren Aufsichtsratspräsident Weibel ist, verbindet ab Ende Jahr ­Wien mit Salzburg. Auf diesen ­Zügen sind ganze sechs Zug­begleiter an Bord – in jedem Wagen einer. Sie servieren Getränke und verkaufen selbstverständlich auch Billette im Zug, und zwar ohne Aufschlag.

Dabei macht Weibel nicht einfach aus den fehlenden Billettautomaten eine Tugend – der zusätzliche Service ist vielmehr Programm. «Wer wenig Zeit hat und erst im Zug ein Billett kaufen möchte, soll dies genauso problemlos können wie Kunden, die Bekannte treffen und in die erste Klasse wechseln möchten», sagt Weibel. «Als Dienstleistungsbetrieb kön­nen wir es uns nicht leisten, solch klare Kundenbedürfnisse zu ignorieren.»

Doch genau dies leisten sich die SBB. Sie begründen den Serviceabbau damit, dass es heute ein Teil der Reisenden auf kurzen Strecken drauf ankommen lasse: Kommt keine Kontrolle, sparen sie sich das Billett, und den SBB entgeht so nach eigenen Angaben ein tiefer zweistelliger Millionen­betrag. Als Kompromiss schlug der Kundenbeirat vor, dass nur jene Reisenden gebüsst werden sollen, die sich nicht aktiv beim Zugpersonal um ein Billett bemühen. Doch bei den SBB setzten sich die Hardliner durch.

Bähnler fürchten Stellenabbau

Beim Personal geht zudem die Angst um: Wenn der Fernverkehr bald wie der unbegleitete Regionalverkehr funk­tioniert – weshalb soll die Bahn dann pro Schnellzug weiterhin zwei Zugbegleiter einsetzen? Schliesslich brauchte ein Kondukteur rund zwei Minuten, um ein Billett zu verkaufen; Arbeit, die jetzt wegfällt.

SBB-Sprecher Christian Ginsig widerspricht. Der Abbau von Personal sei kein Thema. Im Gegenteil: Man wolle das Personal um 125 Zugbegleiter aufstocken, um den Kundenservice zu stärken. Der Billettverkauf im Zug, der fast überall in Europa zum Service gehört, wird im Bahnland Schweiz nicht dazugezählt.

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