Wie Millionen von Menschen habe ich gute Erfahrungen mit Airbnb gemacht. Wir hatten letztes Jahr auf ­Mallorca ein sehr gut ­ausgestattetes Haus mit riesigem Garten für den Preis eines Mittelklasse-Hotelzimmers.

Obwohl die Vermieterin in Frankreich lebte, war die Buchung ein Kinderspiel. Im Internet erfuhr man genug über das Objekt, und weil alles über eine etablierte Plattform ablief, gab es auch keine Bedenken, die Miete im Voraus zu zahlen.

Auch die Vermieterin dürfte mit dem Geschäft zufrieden gewesen sein. Eine Win-win-Situation also? Nicht ganz. Auch wenn die Vorteile für beide Seiten zunächst unschlagbar scheinen. Der Gast­geber inseriert auf der Plattform gratis und muss erst bei Vermietung eine Provision ­zahlen. Der Gast profitiert von günstigen Preisen und von einer riesigen Auswahl an Unterkünften.

Quelle: Getty Images
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Die 2008 gegründete Firma aus Kalifornien erlebt erstaunliche Zuwachsraten und hat allein in diesem Jahr 17 Millionen Gäste vermittelt, wie Nicole Krättli und ­Martin Vetterli in unserer Titelgeschichte («Wo würden Sie übernachten?») schreiben.

«Private Anbieter gefährden die Existenz der Profis.»

Matthias Pflume

Die Zukunft der «Wirtschaft des Teilens»

Airbnb kassiert dabei beträchtliche Margen und nutzt das positive Image der Sharing-Economy, der «Wirtschaft des Teilens». Ihr gehört nach Meinung vieler ­Investoren die Zukunft. Die Idee hinter dieser Wirtschaftsform: Private stellen ihre Güter – seien es Wohnungen, Autos oder Bohrmaschinen – gegen einen günstigen Preis Unbekannten zur Verfügung. Anbieter und Kunden finden sich dabei unkompliziert übers Internet.

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Eine Schwächung arbeitsrechtlicher Normen?

Private erzielen so ein nettes Zusatz­einkommen – und gefährden die Existenz der Profis. Auch deshalb, weil Amateure nicht so hart kalkulieren. Eine Airbnb-­Gastgeberin sagt: «Man darf nicht aus­rechnen, wie viel Zeit ich wirklich pro Gast aufwende. Sonst würde am Schluss wohl nicht mehr viel übrig bleiben.»

Während der nach ähnlichem Muster funktionierende Mitfahrdienst Uber höchst umstritten ist und mancherorts als unfaire Konkurrenz des ­Taxigewerbes verboten wird, spürt Airbnb deutlich weniger Gegenwind.

Und wenn, dann geht die Diskussion schnell in eine andere Richtung als bei Uber. So verlangt der Branchenverband Hotelleriesuisse: Da Airbnb-Gastgeber weniger Auf­lagen erfüllen müssten als Hotels, sollten ­diese auch von solchen Vorgaben befreit ­werden. Deregulierung als Rezept gegen ­globale Internetkonzerne. Das klingt ­sympathisch nach Abbau von Bürokratie, kann aber schnell dazu führen, dass bis­herige arbeitsrechtliche Standards plötzlich als Luxus gelten. Das ist die Schattenseite der Sharing-Economy.

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Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte zur Schattenseite von Airbnb in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

Weitere Themen des Hefts: Neuer Ärger für die SBB bei der Einführung des Swiss Pass, wie die hohen Käsepreise Käufer aus dem In- und Ausland abschrecken, wie bekennende Christen ins Nationale Parlament einziehen wollen, wie Politiker den Einfluss von Lobbyisten dämpfen wollen und wie man auf dem Aletsch Ruhe und Einkehr findet.

Der Beobachter 16/2015 erscheint am Freitag, 7. August. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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