Cornelia Keller aus Wallenwil TG findet deutliche Worte: «Wucher und Abzockerei ist das.» Das – damit meint sie die Übernachtungspreise auf dem Gelände des Eidgenössischen Schwingfests, das im August in Burgdorf stattfindet. 40 Franken pro Person im Zelt oder Wohnwagen kostet die Übernachtung. Für den Campingwagen kommen nochmals 50 Franken hinzu. Bei einer fünfköpfigen Familie sind das 250 Franken pro Nacht. Zum Vergleich: Auf dem Burgdorfer Campingplatz Waldegg bezahlt dieselbe Familie etwas über 30 Franken – auch während des Schwingfests. Kein Wunder, ist man für jenes Wochenende schon ausgebucht.

Die hohen Preise erklärt Raphael Wild, Mediensprecher des heurigen Eidgenössischen Schwingfests, so: «Das kommt daher, dass die gesamte Infrastruktur nur für ein paar Tage aufgestellt wird und wir Platz für mehrere tausend Besucher bieten. Zudem sind die Nächte von Donnerstag auf Freitag und von Sonntag auf Montag gratis.» Allerdings finden die Kämpfe nur samstags und sonntags statt, und An- wie auch Abreisetag fallen dann auf Arbeitstage. Keine Option also für viele Arbeitstätige.

Kein Frühstück, keine Matratze

Noch teurer ist ein Schlafplatz in einem Massenlager: Fr. 42.50 pro Person und Nacht exklusive Frühstück und teilweise sogar ohne Matratze. Zudem sind manche der Lager bis zu elf Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt. Die Begründung hier: Es handle sich um «befestigte Bauten mit entsprechender Infrastruktur». Man habe also im Vergleich zum Zelt ein festes Dach über dem Kopf.

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Sollten alle Unterkünfte an den beiden kostenpflichtigen Tagen voll besetzt sein, spült das den Veranstaltern über 1,35 Millionen Franken in die Kasse.

Insbesondere Besucher, die schon am letzten Schwingfest vor drei Jahren in Frauenfeld waren, dürften ob der Preise erstaunt sein. Damals kostete eine Übernachtung in einer Zivil­schutzanlage oder Turnhalle 25 Franken und im Zelt 20 Franken – inklusive Zmorge. Pro Wohnwagen wurden unabhängig von der Bewohnerzahl 30 Franken erhoben.

«Wir hatten die Preise möglichst günstig gehalten, auch in Erwartung, dass dadurch am Fest mehr konsumiert wird», erklärt Urs Schneider, Präsident des damaligen Organisationskomitees. Die Rechnung ging auf. Obwohl mit Übernachtungen nur 331'000 Franken Umsatz erzielt wurden, haben die Frauenfelder mit einem deutlichen Gewinn abgeschlossen.

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