Wenn Familie Lenzin ihre Ferien plant, machen die Kinder Vorschläge, und die Eltern prüfen, ob diese ins Reisebudget passen. Letztes Jahr bestimmte Thaddäus das Reiseziel: Der 15-Jährige wollte ans Meer, am liebsten nach Griechenland. So fuhr die Familie zu viert mit Bahn und Schiff für zwei Wochen nach Kreta. Dimitri, 18, blieb daheim, er genoss die sturmfreie Bude.

Das Tagesprogramm wurde den individuellen Bedürfnissen angepasst, die Ferientage verbrachten die Lenzins nicht immer zusammen: Während die Eltern Maria und Patrick etwa ein Museum besuchten, genossen Thaddäus und Golda, 12, den Strand. Mal wanderten nur Mutter und Tochter, mal alle vier zusammen.

«Teenies können Druck ausüben»
«Wenn wir etwas unternehmen, was die Kinder nicht interessiert, schaden wir uns nur selber, denn dann wird die Stimmung schlecht», sagt Mutter Maria. Sie will in den Ferien keine Erziehungskämpfe austragen, sondern eine entspannte Zeit mit den Kindern verbringen. «Wir geniessen es, solange die Kinder überhaupt noch mit uns wegfahren.»

Tatsächlich ist für Thaddäus nicht klar, ob er nochmals mit den Eltern Urlaub machen will. «Das kommt auf das Angebot an.» Lieber würde der 15-Jährige nämlich mit Freunden ans Meer fahren. Für Bibiana Walder vom Institut für Tourismus und Freizeit an der HTW Chur ist dieses direkte Mitbestimmen typisch für Familien mit älteren Kindern: «Teenies können Druck ausüben, weil sie je nach Destination einfach nicht mehr mitkommen wollen.»

Doch Studien würden zeigen, dass in der Regel die Eltern und nicht die Kinder die grossen Entscheide fällen. Einzige Ausnahme: «Ausflüge ins Disneyland oder in den Europapark werden von den Kindern angeregt. Sie hören Mitschüler davon schwärmen oder sehen Bilder der neusten Attraktionen im Fernsehen.»

Dass Kinder auf Bilder reagieren, machen sich Reiseveranstalter zunutze. Die Kuoni-Gruppe etwa, die Familienferien unter der Marke «Helvetic Tours» verkauft, zählt auf die Kinder. «Eltern bestimmen die Feriendestination, die Kinder wählen das Hotel aus», sagt Sprecher Peter Brun. «Deshalb haben wir im Katalog bei zahlreichen Familienhotels bewusst Rutschbahnen, Swimmingpools oder bastelnde Kinder abgebildet.» Er findet es richtig, dass Kinder mitbestimmen, schliesslich sollen die Ferien allen Spass machen. «Viele Kinder reisen am liebsten an einen Ort, den sie schon kennen», sagt Roland Schmid, Sprecher von TUI Suisse. Bei TUI gibts deshalb für die Kleinen oft Musik-CDs als Erinnerung an schöne Tage. «Die Zeit soll unvergesslich sein. Kinder, die in den Ferien glücklich sind, beeinflussen die künftige Destinationswahl der Eltern stark.»

Ein Kompromiss macht Sinn
Die Trendforschung wiederum zeigt ein anderes Bild. «Konsumentscheide werden zu 80 Prozent von der Frau bestimmt, das ist auch bei den Ferien so», sagt Karin Frick vom Gottlieb-Duttweiler-Institut. Doch sie bestätigt, dass der indirekte Einfluss der Kinder auf die Wahl des Ferienziels gross ist: «Vor allem kleine Kinder sind ein Faktor, der die Auswahl limitiert.» Das Ferienumfeld muss die Eltern entlasten: «Eine Kulturreise macht mit Kleinkindern keinen Spass, und Erwachsene überlegen es sich zweimal, ob sie in den Wanderferien tagelang die gelangweilte Schnute des 13-jährigen Juniors ertragen wollen.» Es werde oft ein Kompromiss gesucht, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Für die Familie Lenzin heisst der Kompromiss Skiferien. Eine Woche Spass im Zermatter Schnee lässt sich sogar der 18-jährige Dimitri nicht entgehen.

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