Ob Töpfern in der Toskana, Ayurveda in Indien, Fastenwandern auf Mallorca oder eine spirituelle Israelreise auf den Spuren Jesu mit einem Pfarrerehepaar: Das Angebot an Alternativ- oder Esoterikferien ist so vielseitig wie das Leben. Immer mehr Freizeit weckt bei vielen das Verlangen, in den Ferien nicht einfach am Strand zu liegen, sondern sich weiterzubilden, den Horizont zu erweitern, etwas ganz Besonderes zu erleben.

Hat der Yogalehrer genügend Zeit?
Eine Marktlücke, sagt sich so mancher Hobbyveranstalter. «Der Kunde legt für solche Reisen oft viel Geld auf den Tisch, entsprechend gross ist die Verlockung für unseriöse Anbieter», sagt Nicolas Oetterli, Ombudsmann der Reisebranche.

«Das Wichtigste überhaupt ist», so Oetterli, «dass man sich vor dem Buchen haargenau überlegt, was einem wirklich wichtig ist.» Das gilt insbesondere für den Kurs- oder Workshopteil, der meist den Ausschlag gibt, ein bestimmtes Angebot auszuwählen. Entsprechend sorgfältig sollte es geprüft werden: Wird der Yogalehrer genügend Zeit für Sie haben? Wie viele Schüler werden sich einen Lehrer teilen? Hat die Massagelehrerin eine entsprechende Ausbildung? Die Antworten auf solche – je nach Kursangebot sehr spezifischen – Fragen entscheiden, ob die Alternativferien das halten, was Sie sich davon versprechen. Abzuklären gilt ferner, welche Leistungen inbegriffen sind: Muss für Lehrmittel oder Malfarben extra bezahlt werden? Wenn ja, kann das ins Geld gehen.

Die Krux an kombinierten Angeboten aus Reise und Kurs ist oft, dass der Anbieter nur für einen Teil wirklich Experte ist. «Wer sich mit Ayurveda auskennt, versteht nicht automatisch etwas davon, wie man für eine Reisegruppe Flugbillette buchen muss», verdeutlicht Oetterli. Oder es hapert an der Fähigkeit, vor Ort auf kleinere oder grössere Mängel rasch zu reagieren. Darum ist eine gesunde Portion Skepsis auch gegenüber dem Reise- und Unterkunftsteil am Platz. Was bedeutet etwa «landestypische gute Mittelklassehotels» in einer Gegend, in der Sie noch nie waren?

Idylle ohne Busanschluss
Lassen Sie sich solche Gummibegriffe erklären: Fragen Sie genau nach, in welchen Hotels oder Unterkünften Sie logieren werden, und suchen Sie im Internet nach Bewertungen früherer Gäste.

Bedeutet «idyllisch und ruhig gelegen», dass Sie ein Auto brauchen, um von der Finca ins Nachbardorf zu gelangen, weil der Bus nur einmal die Woche kommt? Und fragen Sie auch nach den «Nebenkosten»: Der Anbieter der erwähnten «Israelreise auf den Spuren Jesu» schreibt im Kleingedruckten, dass die (theoretisch freiwilligen) Trinkgelder für Hotelpersonal, Chauffeur und Reiseleitung zusätzlich zum Reisepreis «vorab in Rechnung gestellt» werden – schon wieder sind 50 Franken weg.

Die Vermutung liegt nahe, dass vor allem kleine und kleinste Veranstalter Reisebedingungen nicht klar formulieren. Tourismusfachmann Oetterli findet dies zu pauschal. Es treffe aber zu, dass erst vor kurzer Zeit gegründete Unternehmen oder solche, die Reisen nur als Nebengeschäft betreiben, eher zu Klagen Anlass geben.

Auf jeden Fall beachten sollte man, wie bei jeder Reise: Hat der Veranstalter eine (gesetzlich vorgeschriebene) Kundengeldabsicherung, die den Reisepreis zurückbezahlt, falls der Anbieter zahlungsunfähig wird? Fehlt eine solche Absicherung, gilt: Hände weg!

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