Mehr als 2000 Flüge hat Urs V. Läuppi aus La Rippe VD in den letzten dreissig Jahren absolviert. Als Geschäftsmann besucht er jede Woche Kunden und Lieferanten – meist irgendwo in Europa, seltener in Ubersee. Hunderttausende von Bonusmeilen sind seinen Vielfliegerkonten gutgeschrieben worden; unzählige Freiflüge hat er zugut.

Dennoch ärgert sich Urs Läuppi masslos: «Wir Geschäftsreisende werden von den Airlines gnadenlos geschröpft.» Anlass für seinen Ärger sind die hohen Preise für Business-Class-Tickets, für die kein angemessener Service geboten werde.

Die meisten Flugzeuge, die auf kurzen Europarouten eingesetzt werden, haben nämlich gar keine Business-Class. Alle Passagiere sitzen in denselben Stühlen, oft gibt es auch dasselbe Essen. «Meine Frau hat vor kurzem einen Swissair-Flug von Genf nach Wien und zurück gebucht – in der Business-Class, weil angeblich keine Economy-Plätze mehr frei waren. Anstelle der Swissair flog aber die Lauda-Air, und deren Flugzeuge haben keine Business-Class», ärgert sich Läuppi. Er selbst habe auf einer Reise von Genf nach Paderborn und zurück erlebt, dass keine der vier Maschinen von Lufthansa, Eurowings und Crossair eine Business-Class-Kabine besass – «obwohl die Airlines entsprechende Tarife kassierten».

Die deutsche Lufthansa wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Bei Crossair windet sich Pressesprecher Manfred Winkler: Sitzkomfort, Sitzabstand und Bordservice seien bei Crossair eben auch in der «Holzklasse» Business-Class-würdig.

Schön, bloss erfahren die Kundinnen und Kunden nichts von diesem Einklassensystem. «Es erfolgt keine aktive Kommunikation», bestätigt Crossair auf eine Anfrage des Beobachters.

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Also sind die höheren Tarife angesichts der klassenlosen Fliegerei eine Irreführung der Passagiere? «Es stimmt, dass allein ein Unterschied im Service oder in der Ausstattung auf der Kurzstrecke noch keinen höheren Tarif für die Business-Class rechtfertigt», räumt Swissair-Sprecher Dominik Müller ein.

Flugs ist den Fluggesellschaften deshalb ein anderes Argument eingefallen: Der höhere Flugtarif rechtfertige sich durch «bessere Konditionen». Darunter fällt unter anderem die Möglichkeit, auch kurzfristig die Reisepläne ohne Umbuchungskosten ändern zu können. Wer hingegen ein Economy-Ticket hat, kann entweder gar nicht oder nur gegen einen Aufpreis umbuchen.

«Alles Ausreden», sagt Flugkunde Urs Läuppi. Und: «Aus meinen Gesprächen mit Kollegen weiss ich, dass sich viele über diese Zustände ärgern.» Sicher, Urs Läuppi könnte statt Business- auch Economy-Class buchen. Sparen würde er aber praktisch nichts. Denn die supergünstigen Tarife erhält nur, wer über das Wochenende am Zielort bleibt. Doch dann wollen Geschäftsreisende meist nach Hause zurückfliegen.

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Ein Preisbeispiel: Das günstigste Swissair-Retourticket für die Route Genf–Wien kostet 445 Franken. Wer aber noch am selben Tag oder mindestens in der gleichen Woche zurückfliegen muss, bezahlt in der Economy-Class bis zu 1436 Franken. Für ein ebenfalls beliebig umbuchbares Business-Class-Ticket berechnet Swissair nur 157 Franken mehr, nämlich 1593 Franken. Dafür darf man in Genf an einem separaten Schalter einchecken.

Die teuren Business-Tarife mögen den meisten Menschen egal sein, solange sie zum Billigtarif in die Ferien nach Mallorca oder zum Wochenendtrip nach London düsen können. Bei Crossair etwa reisen – je nach Route – nur zwischen fünf und 25 Prozent der Passagiere in der Business-Class. Indirekt subventionieren also die Geschäftsreisenden die «Ferienflieger», deren Tickets immer billiger werden.

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Faire Preise bei kleinen Airlines
Bei den Airlines spricht man darüber nur hinter vorgehaltener Hand. Weil die Business-Leute ihre Flüge nicht aus der eigenen Tasche bezahlen, sondern übers Spesenbudget abrechnen, können die Airlines einfacher die hohle Hand machen.

Dass auch für diese Minderheit faire Tarife möglich sind, beweisen kleinere Gesellschaften. Billigflieger Easy-Jet etwa führt nur eine Klasse. Zwar gibt es auch dort unterschiedliche Tarife – je nachdem wie lange im Voraus gebucht wird. Aber Easy-Jet verspricht den Kunden wenigstens nicht etwas, was sie nicht einhält.