Europa, Asien oder Amerika? Kurz-, Mittel- oder Langstreckenflug? Und:Welche Fluggesellschaft, welche Buchungsklasse, ein Ticket oder mehrere? Wer herausfinden möchte, wie viele Gepäckstücke von welchem Gewicht man in die Ferien mitnehmen darf und was allfälliges Übergepäck kostet, muss fast so viele Fragen beantworten, wie wenn man beim Starbucks zu einem «Tall Nonfat Caramel Macchiato to go» kommen will.

Relativ klar sind die Angaben beim Handgepäck: Seit 2006 gilt eine Regelung der EU über Flüssigkeiten im Handgepäck auch in der Schweiz. Seither steht man am Security-Check, die Schuhe in der einen, das Beutelchen mit den Kosmetik-Mini-Einheiten in der anderen, den Laptop in der dritten Hand. Die Jacke sollte man auch noch ausziehen und den Gürtel auch.

Die gute Nachricht: Immerhin hat man in den USA inzwischen begriffen, dass Touristen nicht nur gefährlich sind, sondern auch Geld bringen. Seit einigen Wochen ist der Umgangston am Security-Check deutlich freundlicher geworden.

Beim Rückflug plötzlich draufzahlen

Die Regelungen fürs Handgepäck werden in der Regel von der Airline bestimmt, nicht von der Destination. Passagiere ohne Kleinkinder dürfen also (mit Betonung auf «wenn nötig» und «maximal») einen Mantel oder eine Decke, einen Laptop, einen Schirm oder Gehstock, eine Handtasche, eine Kamera oder ein Fernglas und Lesestoff für die Reise im Handgepäck haben. «Allerdings muss man beachten, dass die Gewichtslimiten für Handgepäck nicht einheitlich geregelt sind», sagt Tui-Mediensprecher Roland Schmid.

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Auch für das Gepäck, das eingecheckt werden soll, lohnt sich der Blick auf die Homepage der Fluggesellschaft, ein Anruf beim Callcenter oder die Nachfrage beim Reisebüro – vor allem wenn man seine Reise mit mehr als einem Ticket antritt oder auf Code-Share-Flügen gebucht ist. Fliegt ein Passagier zum Beispiel mit Swiss von Zürich nach New York und mit einem von United Airlines durchgeführten Flug von Washington zurück nach Zürich, muss er unter Umständen auf dem Rückflug für ein zweites Gepäckstück draufzahlen. «In solchen Fällen spielt es eine Rolle, unter welcher Flugnummer gebucht und auf welchen Tickets diese Flüge ausgestellt sind», erklärt Roland Schmid.

Möglich also, dass für den Nachbarn aus der Check-in-Schlange andere Spielregeln gelten, auch wenn er später im Flugzeug neben einem sitzt. Auch bei Weltreisen kann es wegen der Nutzung verschiedener Fluggesellschaften durchaus vorkommen, dass auf einer Teilstrecke eine Zusatzgebühr für den zweiten Koffer erhoben wird.

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Bei der Swiss gilt im Moment beim Check-in-Gepäck das sogenannte «Piece Concept». Ein Passagier mit einem Ticket für die Economy-Klasse darf ein Gepäckstück mit maximal 20 Kilo einchecken; auf Flügen nach den USA, Kanada, Südamerika und Kamerun sind zwei Koffer von maximal 23 Kilogramm erlaubt.

Bald nur noch ein Koffer gratis?

Wer allerdings glaubt, er könne auch einen einzelnen Koffer aufgeben, der dafür 25 Kilo wiegt, irrt – ein Koffer mit Übergewicht kostet 150 Franken zusätzlich für den Hinflug allein. Der Rückweg kostet ab den USA nochmals 150 Dollar, ab Brasilien 120. Weil andere Airlines, die wie die Swiss der Star Alliance angehören, die Anzahl gratis eincheckbarer Stücke bereits auf eines reduziert haben, wird immer wieder vermutet, dieser Schritt werde auch in der Schweiz in absehbarer Zeit getan.

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Das werde diskutiert, ein Entscheid sei aber noch nicht gefallen, heisst es bei Swiss. «Allerdings ist es schon so, dass viele Airlines rote Zahlen schreiben, während die Flugpreise immer tiefer werden», sagt Tui-Sprecher Schmid. Da sei es logisch, dass gewisse Zusatzarbeiten zusätzlich kosten. Und das Ein- und Auschecken von Koffern erfolge ja nach wie vor manuell.

Ist das Fluggepäck einmal unterwegs, sind die Sorgen aber nicht verflogen. Denn nur 99 von 100 Koffern kommen gleichzeitig mit ihren Besitzern am Bestimmungsort an, einer auf 100 wird innert weniger Tage nachgeliefert. Knapp einer von 1000 geht für immer verloren.

Das Gros des Gepäcks jedoch muss bloss allfällige Zwischenstopps überstehen – und kann dort zum Hindernis werden. Fliegt man etwa nach Panama, bildet die Zwischenlandung in Miami auch eine Einreisestation, an der das oft zeitraubende Immigrationsprozedere durchgeführt wird. Das bedeutet für den Passagier auch, dass er seine Koffer in Empfang nehmen, sie durch den Zoll befördern und wieder einchecken muss.

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Vorsicht bei den Umsteigezeiten

Reisebüros kennen solche Fallstricke. Wer online bucht, muss aber aufpassen: Bucht man alle Teilflüge auf der Homepage derselben Airline, kontrolliert das System in der Regel die Umsteigezeiten und meldet, wenn man zu knapp kalkuliert hat. Bucht man die Teilstrecken über verschiedene Homepages, versagt dieses System.

Verpasst man dann den Anschluss, weil man zu lange auf einen Koffer oder in der Check-in-Schlange gewartet hat, haften die Airlines nicht. Da hilft nur eines: am Flughafen einen «Tall Nonfat Caramel Macchiato» bestellen, ihn in aller Ruhe im Sitzen trinken und auf den nächsten Anschluss warten.