Fidos Zugfahrt beschäftigte zwei Gerichtsinstanzen: Der Dackel reiste ohne gültiges Billett auf dem Schoss seiner 20-jährigen Besitzerin in einem Regionalzug. Weil er nicht in einen Behälter verpackt war, wurde er zum Schwarzfahrer. Die Besitzerin musste schliesslich rund 600 Franken für Busse und Verfahrenskosten zahlen. Auf Reisen ging auch Anni Weys Boxerhund. Sie wollte während ihrer Ferien in Spanien nicht auf den Vierbeiner verzichten. Der Hund reiste im Frachtraum des Flugzeugs. Als die 55-Jährige ihn nach der Landung wiedersah, war er ein Häufchen Elend. Reisen mit Tieren ist also gar nicht so einfach.

«Vorab sollte man sich grundsätzlich die Frage stellen, ob man dem Tier wirklich einen Dienst erweist, wenn man es auf eine lange Reise mitnimmt», sagt Tierarzt Martin Keiser von der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin. Reise, Hitze und lokale Infektionskrankheiten können das Tier schwächen. «Wichtig ist eine Infektionsprophylaxe, und eventuell sollte man eine Notfallapotheke mit einer Zeckenzange, Desinfektions- und Durchfallmittel einpacken», rät Keiser.

Tiere sind keine Feriensouvenirs

Vor allem bei Auslandsreisen gilt es, die Reise frühzeitig zu planen und sich gut zu informieren. «Man sollte mindestens zwei Monate als Vorbereitungszeit einrechnen, damit Zeit bleibt für nötige Impfungen», empfiehlt Marcel Falk vom Bundesamt für Veterinärwesen. Besonders heikel sind Ferien in Tollwutgebieten, vor allem in den Nahen Osten und nach Südamerika. «Vor der Reise sollte man den Tierarzt fragen und allenfalls beim Bundesamt für Veterinärwesen oder bei der Botschaft des Ziellandes weitere Abklärungen treffen», so Falk. Wichtig ist auch, die Bestimmungen für die Wiedereinreise in die Schweiz nicht zu vergessen. Und wenn man ein herziges Hündli aus den Ferien mitnehmen will? «Davon raten wir ab, da die Tiere oft krank sind», meint Falk bestimmt.

Tipps für eine komfortable Reise mit Tieren

  • Im Auto: Füttern Sie Ihr Tier etwa eine Stunde vor der Abreise nicht mehr, damit es ihm nicht schon zu Beginn der Reise übel wird. Nehmen Sie genügend Wasser und einen Trinknapf mit. Manche Hunde geraten ausser sich, wenn sie unterwegs Artgenossen sehen. Das ist gefährlich. Deshalb muss das Tier gut gesichert und räumlich getrennt vom Fahrer reisen. Geeignet sind Reiseboxen oder Hundegurten. Grosse Hunde reisen am besten im Kofferraum, der mit einem Gitter vom Fahrraum abgetrennt ist. Achtung: Im Kofferraum kann es sehr heiss werden, auch wenn die Klimaanlage vorn für angenehme Frische sorgt. Alle zwei bis drei Stunden sollten Sie eine Pause einlegen, mit dem Hund einen kurzen Spaziergang machen und ihm reichlich Wasser zur Verfügung stellen.

  • Im Zug: In der Schweiz braucht Ihr Hund ein Halbtaxbillett für die 2. Klasse. Damit kann er mit Ihnen in der 1. oder 2. Klasse fahren. Eine Hunde-Tageskarte für 32 Franken lohnt sich bei längeren Fahrten. Für Vielfahrer gibt es das Hunde-GA für 650 Franken pro Jahr. Schwarzfahrende Hunde kosten 80 Franken Busse. Einzig kleine Hunde mit einer Schulterhöhe bis zu 30 Zentimetern reisen gratis - sofern sie in einem geeigneten Behälter transportiert werden. Blindenhunde reisen immer gratis. Bei internationalen Zugfahrten unbedingt abklären, ob Hunde erlaubt sind.

  • Im Flugzeug: Jede Fluggesellschaft hat ihre eigenen Bestimmungen über die Flugreise mit Tieren. Das Tier muss immer vor dem Flug angemeldet werden. Kleine Tiere bis zu fünf oder acht Kilo können Sie in einem geeigneten Behälter mit in die Flugzeugkabine nehmen. Grössere Tiere müssen Sie als Fracht verschicken. Setzen Sie Ihren vierbeinigen Freund schon vor der Reise mehrmals in den Frachtbehälter, damit er sich daran gewöhnen kann. Klären Sie beim Tierarzt ab, ob Sie dem Tier ein beruhigendes Medikament geben sollen. Stellen Sie sicher, dass ihm während der Reise Wasser zur Verfügung steht, aber geben Sie ihm nicht zu viel.

Auch Schosshunde brauchen Papiere

Geht Ihre Reise ins Ausland, müssen Sie nebst dem Transport auch noch die Länderbestimmungen beachten. Jede Woche bleiben laut dem grenztierärztlichen Dienst drei bis vier Tiere wegen fehlender Formalitäten am Schweizer Flughafenzoll hängen und können nicht eingeführt werden. Ausgerechnet Besitzer von Schosshündchen verursachen oft Probleme, weil sie ihren Liebling kurzerhand einpacken, ohne an die nötigen Ausweise oder Impfungen zu denken. Es ist also wichtig, dass Sie Ihre Auslandsreise gewissenhaft vorbereiten, damit Sie mit Ihrem Vierbeiner nicht am ausländischen Zoll hängenbleiben:

  • Jedes Land hat eigene Einreisebestimmungen. Erkundigen Sie sich frühzeitig bei Ihrem Tierarzt, beim Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) oder bei der Botschaft Ihres Reiselandes. In einigen Ländern gelten Rasseverbote oder Maulkorbpflicht.

  • Lassen Sie Ihr Tier rechtzeitig impfen.

  • Falls Sie mit Ihrem Tier in ein Land mit erhöhtem Tollwutrisiko reisen, müssen Sie für die Wiedereinreise in die Schweiz besonders strenge Anforderungen erfüllen. Das BVET gibt Auskunft.

  • Andere Länder – andere Parasiten. In den Mittelmeerländern kommen Bandwürmer, Leishmanien und Zecken besonders häufig vor. Die Erreger können für Sie und Ihr Tier ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellen. Erkundigen Sie sich bei der Tierärztin, wie Sie Ihr Tier vorbeugend schützen können. Nach der Rückkehr in die Schweiz sollten Sie Ihr Tier entwurmen und beobachten. Wenn Sie diese Hinweise beachten, können Sie und Ihr vierbeiniger Freund die Reise unbeschwert unter die Pfoten nehmen.


Einreise in die Schweiz: Was zu beachten ist

Seit Juli 2007 gelten neue Bestimmungen für die Einreise mit Hunden oder Katzen aus der EU in die Schweiz (siehe auch unten: «Online-Hilfe für Ferien mit Hund oder Katze»)

  • Tollwut: Das Tier muss mindestens 21 Tage vor der Wiedereinreise gegen Tollwut geimpft worden sein. Die Impfung gilt in der Regel für ein Jahr.

  • Kennzeichnung: Das Tier muss mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein. Bis zum Jahr 2011 sind auch gut lesbare Tätowierungen zugelassen. Alle Schweizer Hunde müssen in der Datenbank Anis registriert sein. Wer definitiv einen Hund einführt, muss ihn innert zehn Tagen vom Tierarzt registrieren lassen.

  • Heimtierausweis: Was für den Menschen der Pass, ist für den Hund oder die Katze der Heimtierausweis. Er wird vom Tierarzt ausgestellt und enthält Angaben über das Tier und seinen Halter. Wer mit seinem Tier aus der EU einreist, muss einen Heimtierausweis vorweisen können. Andere tierärztliche Dokumente sind nicht mehr gültig.

  • Körpermerkmale: Hunde mit illegal coupierten Ohren und/oder Ruten dürfen nicht eingeführt werden. Ausländer dürfen mit ihrem coupierten Hund aber in der Schweiz Ferien machen.

Online-Tool: Ferien mit Hund oder Katze

Eine vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) entwickelte Online-Hilfe führt Reisende durch den Paragraphendschungel: Für sämtliche Länder der Welt lässt sich abfragen, welche Dokumente, Impfungen und Labortests die Tierhalter für die Rückreise brauchen.

Die Online-Hilfe enthält alle Informationen für die Einreise in die Schweiz. Die Bestimmungen anderer Länder, die von Land zu Land variieren und selbst von Stadt zu Stadt verschieden sein können, sind nicht enthalten. Diese müssen Tierhaltende bei den jeweiligen Botschaften beziehungsweise Veterinärbehörden nachfragen, da das Bundesamt für Veterinärwesen nicht für die Richtigkeit seiner diesbezüglichen Informationen garantieren kann.

Weitere Infos

  • Das Bundesamt für Veterinärwesen informiert auf www.bvet.admin.ch über Tollwutrisikoländer und Einreisebestimmungen. Dort kann auch die Broschüre «Ich reise mit Hund oder Katze» heruntergeladen oder gratis bestellt werden.
  • Adressen der kantonalen Veterinärämter finden Sie hier
  • Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin gibt Reisetipps unter www.kleintiermedizin.ch