Martin Mahler muss zuerst tief seufzen. Das Geschäftsleitungsmitglied der Engelberg-Titlis Tourismus AG (ETT) spricht nicht gern über das Dossier Hotel Hoheneck. Kein Wunder: Auf Mahlers Pult stapeln sich die Klagen von unzufriedenen Gästen. Sie alle beschweren sich über das Hotel im bekannten Obwaldner Ferienort. Von Lavabos ohne Wasser und defekten Steckdosen ist da die Rede sowie von langen Rissen in den Wänden. Das Essen sei grösstenteils fad, verkocht oder gar ungeniessbar, der Hotelier unfreundlich, aggressiv und jähzornig.

Schlechte Erfahrungen hat zum Beispiel Linus Brändli aus Uetikon am See ZH gemacht. Für eine Woche Skiferien bezahlte die vierköpfige Familie (ein Zimmer mit Halbpension, ohne Skipass) 1900 Franken – und wurde arg enttäuscht. Das Essen war «eine Katastrophe», und unter der WC-Brille fanden sich noch Haare und andere Rückstände von früheren Hotelgästen. Ein krasser Gegensatz zum Werbematerial, wo Hotelier Peter Husy seinem 88-Betten-Betrieb eine «gemütlich-heimelig-rustikale Atmosphäre» zuschreibt; auf dem Briefpapier rühmt er sogar die «gepflegt-gediegene Atmosphäre».

Offiziell mit Sternen klassiert ist das «Hoheneck» nicht; der Betrieb wurde vor mehreren Jahren aus dem Hotelierverein ausgeschlossen. Familie Brändli reklamierte die Missstände mehrmals. Doch Hotelbesitzer Husy kanzelte die Gäste bloss als undankbar ab – nach drei Tagen reisten Brändlis ab. Husy sagt nichts zu den massiven Vorwürfen. Als der Beobachter ihn anrief, hängte er sofort auf; mehrere Briefe liess er unbeantwortet.

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«Der Betrieb schadet dem Image unseres Ferienorts. Am liebsten wäre uns, wenn das Hotel schliessen würde», sagt Martin Mahler von Engelberg-Titlis Tourismus. «Doch wir haben leider keine Handhabe.» Im Gegensatz zu Hotelier Husy: Er hat gegen die lokale Tourismusförderungsorganisation geklagt, weil sie angeblich seinen Betrieb benachteilige. Tatsächlich ist sein Hotel als einziges im Ort nicht übers ETT-Direktreservationssystem buchbar – weil es eben auch als einziges die erforderlichen Standards nicht erfülle, begründet die ETT. Gemeinderat und Kantonsregierung haben Husys Klage bereits abgewiesen. Jetzt ist das Obwaldner Verwaltungsgericht am Zug.

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