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  4. Hotelquickly: Buchung storniert – aber kein Geld zurück

HotelquicklyAbzocke mit System

Die Buchungsplattform Hotelquickly storniert Buchungen mit fadenscheinigen Begründungen – das Geld bekommen die Kunden wohl nie wieder.

Hotels über Hotelquickly – auf Tripadvisor und Trivago oft das günstigste Angebot.
von aktualisiert am 13. Dezember 2018

Mitte November hatte Karin Natter* gebucht: Weihnachten in Marrakesch, Marrokko, zusammen mit ihrem Mann und den beiden Kindern. Drei Nächte im Hotel Palmeraie Palace für 688 Franken. «Wir freuten uns sehr», erzählt die 46-jährige aus der Nähe von Murten.

Vor wenigen Tagen jedoch erhielt sie von der Buchungsagentur Hotelquickly eine Nachricht: Wegen unvorhersehbarer Probleme habe man die Buchung Online-Buchungen Ein Klick ist eine Unterschrift stornieren müssen. Geld zurück sei leider nicht möglich, anbieten könne man aber einen Gutschein im gleichen Wert. Diese sei auf der App des Unternehmens einzulösen. «Dabei kann man diese App in der Schweiz nicht downloaden», sagt Natter. Zurzeit ist es nicht einmal möglich, auf dem Portal überhaupt etwas zu buchen.

Viele Schweizer betroffen

Wie der Familie aus dem Freiburgischen erging es in jüngster Zeit vielen Schweizern, die über Hotelquickly gebucht haben. «Hände weg!», «Betrug mit System!», «Abzocker» heisst es in den Bewertungen des Portals im Internet. Anscheinend ging die Buchungsplattform stets auf die gleiche Weise vor: Sobald die Kunden bezahlt hatten, stornierte sie die Buchung und offerierte als Ersatz einen Gutschein. Die Hotels sahen nie einen Rappen, Hotelquickly behielt das Geld.

Reklamationen laufen ins Leere

Das Schweizer Recht ist eindeutig: «Die Buchungsplattform muss das Geld zurückerstatten», sagt Beobachter-Expertin Nicole Müller. Einen Gutschein müssen die Kunden nicht akzeptieren.

Das Problem ist: Hotelquickly hat seinen Sitz in Bangkok, Thailand. Nicht überraschend liefen Karin Natters Reklamationen ins Leere. Auf Ihre Mails bekam sie lediglich standardisierte Antworten eines Computers. Auch Nachfragen seitens des Beobachters beantwortete die Firma nicht.

«Sehr wahrscheinlich ist das Geld verloren», sagt Expertin Müller. Sie rät, bei Buchungen im Internet immer zuerst nach Bewertungen durch andere Kunden zu suchen, besonders wenn eine Vorauszahlung erforderlich ist. Weiter soll man prüfen, wo der Anbieter seinen Sitz hat und ob er Anrufe und Mails individuell beantwortet.

Von Tripadvisor gelotst

Natter ist über die Plattform Tripadvisor auf Hotelquickly gekommen. Diese bietet neben Nutzer-Bewertungen für Hotels und Restaurants auch Preisvergleiche an. Das Angebot von Hotelquickly war das günstigste für das «Palmeraie Palace». «Nicht unglaublich günstig, aber doch 30 Franken günstiger pro Nacht als bei anderen Anbietern», sagt Natter. Die Website von Hotelquickly machte einen vertrauenserweckenden Eindruck, das Deutsch war tadellos, es gab eine Telefonnummer und eine Mailadresse. «Leider habe ich die Bewertungen im Netz nicht angeschaut.»

Ihre Weihnachtsreise Ferien So finden Sie das beste Angebot lassen sich die Natters trotzdem nicht nehmen. Sie werden nach Marrakesch fliegen und im Palmeraie Palace nächtigen. Die Zimmer haben sie nochmals gebucht und somit doppelt bezahlt, dieses Mal direkt über das Hotel. Karin Natter sagt: «Das nächste Mal werden wir es wohl von Anfang an so machen, auch wenn der Preis etwas höher ist.»
 

*Name geändert

Tipps für Online-Buchungen

  • Prüfen Sie, bei wem Sie buchen: Suchen Sie im Internet nach Erfahrungsberichten anderer Touristen. Testen Sie, wie der Anbieter auf Anfragen reagiert. Achten Sie darauf, dass er eine Kundengeldabsicherung Übers Reisebüro buchen Was sind die Vorteile? hat, damit Ihre Reise auch garantiert ist, wenn er in Konkurs geht.
     
  • Kontrollieren Sie das Angebot: Sind Reiseroute, Transportmittel, Unterbringung und Verpflegung genau umschrieben?
     
  • Streichen Sie unnötige Zusatzkosten: ­Viele Anbieter packen ungefragt eine Annullierungskostenversicherung Reiseversicherung Wer zahlt die Annullierungskosten? obendrauf. Wenn Sie eine solche nicht wollen, ent­fernen Sie das entsprechende Häkchen. Lesen Sie in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen, was es kosten würde, wenn Sie die Reise annullieren müssten.
     
  • Vermeiden Sie Probleme mit der Airline: Stellen Sie sicher, dass die Namen aller Mitreisenden genau so geschrieben sind wie im Pass.
     
  • Nehmen Sie sich Zeit und überprüfen Sie vor dem Klick auf das OK-Feld Online-Buchungen Ein Klick ist eine Unterschrift nochmals, ob alle Angaben korrekt sind und Ihren Wünschen entsprechen.
     
  • Drucken Sie wichtige Buchungsschritte aus, damit Sie im Fall von Problemen nachweisen können, wozu Sie Ja gesagt haben.
     
  • Übermitteln Sie Konto- oder Kredit­kartendaten nur über eine verschlüsselte Verbindung («https» in der Adresszeile und ein Bügelschloss-Symbol im Browser).
     
  • Drucken Sie Anschrift, Mailadresse und Telefonnummer des Anbieters aus. Und nehmen Sie Kopien der Auftrags-, Reser­vations- und Buchungsbestätigung mit auf die Reise.
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