Aufgeregt und voller Vorfreude erreiche ich den Flughafen fünf Stunden vor dem Rückflug in die Heimat. Als nach zwei Stunden der Check-in-Schalter öffnet, wird aber nicht mein Gepäck entgegengenommen, sondern mein Visum für ungültig erklärt. Drei Stunden lang versuche ich, Informationen zu erhalten und irgendeinen Weg zu finden, doch noch auszureisen. Vergeblich.

Als mein Flugzeug um zwei Uhr nachts ohne mich abfliegt, muss ich merken, dass ich wirklich nichts ausrichten kann. Ich erhalte die Adresse des Foreign Registration Office und verlasse den Flughafen. Mein letztes Indienabenteuer beginnt. Mission: Ausreiseerlaubnis erhalten.

Die indische Bürokratie ist ein schwieriger Gegner. Ich werde von einem Büro ins nächste geschickt, ich bekomme falsche Informationen, muss mir Witze über mich anhören, mir werden Hoffnungen gemacht – und dann gehts wieder von vorne los. Anfangs ist es belastend, ich bin niedergeschmettert und frage mich ständig, wie es sein kann, dass eine englischsprachige Bemerkung («Aufenthalt nicht länger als 180 Tage pro Besuch») in einem Einjahresvisum in einem Pass – der dem Inhaber eigentlich helfen sollte – derartige Probleme verursachen kann. Zugegeben: Es ist mein Fehler, ich hätte mich darum kümmern müssen.

Dann geschehen zwei gute Dinge: Erstens kann ich bei der Familie eines Kollegen wohnen, die mich wie ihre eigene Tochter behandelt und mich sogar an eine Hindu-Hochzeit mitnimmt. Zweitens regnet es einen Tag und eine Nacht so sehr, dass der Verkehr zum Stillstand kommt und ich ohnehin eine Ruhepause einlegen muss. Da realisiere ich, dass die Umstände nicht zu ändern sind, dass Selbstmitleid nicht weiterhilft und dass ich eine Chance erhalten habe, einen weiteren Teil Indiens kennenzulernen.

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Am Ende geniesse ich es fast. Wer hat schon die Gelegenheit, in einer solchen Situation zu sein und auch noch darüber lachen zu können? Ich lerne sogar die Beamten verstehen. Täglich Hunderte von Touristen mit ähnlichen Problemen; kein Wunder, dass da die Geduld zur Neige geht. Fast zwei Wochen zu spät komme ich nach Hause. Direkt in ein neues Durcheinander: die Uni. Mein Studium hat bereits begonnen.