Das Krankenhaus, in dem ich arbeite und wohne, ist das grösste der vier Spitäler in Indien, die von der Schweizer Stiftung Cleft-Kinder-Hilfe International gesponsert werden. Hier werden durchschnittlich 120 Patienten pro Monat wegen einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte operiert, einer angeborenen Fehlbildung. Die Patienten stammen alle aus sehr armen Verhältnissen; mit einem Monatslohn von 10 bis 40 Franken könnten sie sich den Eingriff niemals leisten, wenn nicht absolut alles, was mit der Behandlung im Spital zusammenhängt, gratis für sie wäre: Essen und Trinken, An- und Rückreise, Sprachtherapie, Schule, Operation, Aufenthalt und Administrationskosten.

Besonders das neu gestartete Schulprojekt weckt Hoffnung: Die operierten Kinder sollen die gleiche Bildung erhalten wie alle anderen auch. Das klingt simpel, ist es aber nicht: Aufgrund der Abgeschiedenheit des Dorflebens, der prekären finanziellen Lage der Familien oder auch des Mobbings gegen Betroffene war das häufig nicht möglich. In Indien glauben nämlich viele an die Wiedergeburt. Das heisst, man lebt so, wie man es sich im vorherigen Leben «verdient» hat. Daraus wird geschlossen, dass man selber schuld ist für das Leben, in das man hineingeboren wurde. Im Falle der Cleft-Kinder führt das zu ungerechten Schlüssen: Sie hätten eine Hasenscharte oder einen Wolfsrachen, weil sie in ihrem vorherigen Leben etwas falsch gemacht hätten.

Im Spital kann ich überall mithelfen, darf meine Ideen wenn immer möglich umsetzen. Zuerst habe ich Fotos der Patienten vor und nach der Operation zusammengesetzt, um die Patientenordner übersichtlicher zu gestalten. Das gab mir einen guten Einblick, was eigentlich alles im Spital gemacht wird: Lippen- oder Gaumenspalten werden geschlossen, Nasen-, Unterkiefer- und Oberkieferbehandlungen vorgenommen, auch Patienten mit Gesichtsdeformierungen werden hier operiert, und alles wird fein säuberlich dokumentiert und aufbewahrt.

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Viele dankbare Menschen

Unterdessen habe ich auch andere Cleft-Zentren besucht, war bei einigen Operationen dabei, besuchte die Patienten in den Dörfern zu Hause, führte Interviews und unterrichtete die Kinder in Mundhygiene. Es kam einige Male vor, dass die Patienten sich überschwänglich bedankten, als sie erfuhren, dass ich mit der Cleft-Stiftung in Verbindung stehe. Sie sind froh über die Hilfe, die sie aus dem Ausland bekommen. Für sie bedeutet eine Operation einen grossen Umbruch in ihrem Leben, denn ohne finanzielle Unterstützung würden diese Kinder ein Leben lang mit Ess-, Trink- oder Atemstörungen und der sozialen Ablehnung zu kämpfen haben.