Gefühlte 100 Kilo Kleider habe ich im Schrank. Und einen grossen Koffer, in den gerade mal 18 Kilo Gepäck reindürfen; Gepäck für ein ganzes Jahr! Zusätzlich habe ich noch eine Reisetasche, auf der beidseits gross INTO steht, der Name meiner Austauschorganisation. Vermutlich, damit jeder, der mich in England anspricht, langsam und deutlich redet – und, falls ich antworten würde, begreift, dass ich nicht plemplem bin, sondern es einfach (noch) nicht besser kann.

Ich fange also an, die Kleider zu sortieren – nach «Notwendigkeitsstatus». Auf dem wichtigsten Stapel kommt die Winterjacke direkt neben dem Bikini und dem Abschminkmittel zu liegen. Nachdem ich die wichtigsten Sachen in meinen grossen Koffer gepackt habe, stopfe ich in die übriggebliebenen Lücken noch Lieblings-T-Shirts, die mir eigentlich zu klein sind oder Löcher haben – oder Haarklammern, die ich sowieso nie trage.

Als ich dann endlich auf meinem Koffer sitze, um ihn irgendwie zuzukriegen, fühle ich mich wie ein sehr, sehr sechzehnjähriges Mädchen. Und in dem Moment, wo der Koffer zuspringt, fallen mir etliche Dinge ein, die ich noch brauchen könnte; das Kabel meiner Fotokamera zum Beispiel. Ich mache mich also auf die Suche und stelle das ganze Zimmer auf den Kopf.

Dann halt: Nochmals von vorn

Als mir schon langsam die Tränen in die Augen steigen, beginne ich zu vermuten, das Objekt der Begierde liege schon lange verstaut im Koffer. Doch sicher bin ich mir nicht. Also öffne ich den Koffer der Verzweiflung wieder, packe alles noch einmal aus und finde dieses verdammte Ding – nicht. Erst als der ganze Inhalt auf dem Boden ausgebreitet liegt, die Kleider längst nicht mehr gefaltet, sehe ich es zuunterst, dieses dämliche Kabel!

Eine kleine Ewigkeit später sitze ich wieder auf dem Koffer, stolz wie ein Löwe auf einem Stein, weil ich ihn endlich zugekriegt habe – und alles drin ist, was reingehört. Hoffe ich zumindest.