Jugendliche hier «outen» sich schon etwa mit 14 als homo- oder bisexuell. Ich kenne in Zürich niemanden, der sich seiner sexuellen Orientierung so früh bewusst ist und auch bereit ist, dies zu offenbaren.

Leider hat das Thema Sexualität in England auch andere Seiten, die ich unglaublich finde. So etwa bei der Aufklärung. Überall kleben Plakate mit Aussagen wie «Iss gesünder», «Treib Sport» und «Trink keinen Alkohol». Bei drängenden Themen wie Verhütung, Teenie-Schwangerschaften oder Geschlechtskrankheiten sucht man aber vergebens nach Tipps.

So ist es kein Wunder, erzählen mir Gleichaltrige voller Überzeugung, dass sie die Pille nicht nehmen, da sie dick mache. Verhütung sei nicht nötig, da sie sowieso nie schwanger würden – das werde man unter 25 nicht. Und ausserdem gäben sie zusätzlich auch immer gut acht. Das nenn ich mal eine Theorie!

Zwei Minuten später wechseln sie das Thema mit dem Satz: «Oh, übrigens, meine Freundin, du weisst schon welche, sie ging hier zur Schule bis vor kurzem, und jetzt bleibt sie zu Hause, bis zur Geburt ihres Kindes in ein paar Wochen.»

Ein beachtlicher Anteil der Schülerinnen verlässt die Schule mit 16 Jahren, da sie eh nicht arbeiten wollen und ihre Zukunft im Kindergebären und -aufziehen sehen. Ein geringerer, aber auch nicht kleiner Anteil verlässt die Schule mit 16 aufgrund von Schwangerschaft.

Anzeige

Das Schlimmste ist, dass ich und alle anderen Austauschschülerinnen die Einzigen sind, die das schockierend finden. Wenn ich dann versuche zu erklären, dass es egal ist, wie lange vor der Ejakulation sie aufhören, dass es ohne Gummi einfach nicht sicher sei, schaut man mich an, als hätte ich grad erzählt, dass Einhörner wirklich existieren. Ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen als Dr. Sommer versucht – und bin kläglich gescheitert.