Die Briten nennen es «Health and Safety» (Gesundheit und Sicherheit) – für mich bedeutet es eher «lächerlich und unnötig». Wir haben fast jede Woche einen falschen Feueralarm. Dann wird geübt, im Schlepptau von gar nicht mal so schlecht schauspielernden Lehrern mit Trillerpfeifen auf die Fussballwiese zu hetzen. Nur um dann in einer Reihe zu stehen, alphabetisch nach Namen geordnet. Bei einem echten Feuer würden wahrscheinlich Dutzende draufgehen, weil sie dächten, es sei eine Übung.

Ich würde hier gern ein Foto dieses Manövers zeigen, doch ich darf nicht – wegen «Health and Safety». Ich brauche nämlich für jedes Foto von den Eltern aller abgebildeten Kinder eine schriftliche Erlaubnis. Es gibt immer böse Blicke, als ob ich etwas Abartiges oder Verbotenes täte. Das Fotografieren von Kindern ist heikel. Es geht das Gerücht, es sei verboten, sogar die eigenen Kinder in der Badewanne abzulichten.

Auch wenn hier das erste Schneeflöcklein den Boden erreicht, wird der Notstand ausgerufen, die Strassen werden gesperrt, die Schulen geschlossen, die Supermärkte leergekauft. Tage ohne Schule, mit Dosenfrass und grünen Wiesen. Und beim nächsten Flöcklein gehts wieder von vorn los.

Stricknadeln als potentielle Mordwaffen

«Health and Safety» bedeutet aber nicht nur schulfrei, sondern auch nervige Hindernisse im Alltag. Meine Gastmutter ist leidenschaftliche Strickerin und Bastlerin, sie geht regelmässig Bastelsachen und Stricknadeln einkaufen, was ein echter Kampf ist. Denn Stricknadeln bekommt man nicht einfach so, die sind gut versteckt und verpackt hinter dem Tresen, damit kein Kunde die Kassiererin damit aufspiessen kann – kein Witz!

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Und beim Leim wirds richtig schwierig. Weil man ihn ja auch schnüffeln kann, kriegt man ihn nur nach einer Erklärung, wofür man ihn genau braucht und wieso genau diesen. Ich nehme also mit Klebstreifen vorlieb. Obwohl sich der Verkäufer bestimmt vorstellt, dass ich einen Überfall damit plane oder ihn strangulieren will.