Frage ich die Briten nach Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, bekomme ich eine ähnliche Antwort, wie wenn man Schweizer Jugendliche nach dem Matterhorn fragt: «Meinsch de Tobleroneschoggi-Berg?»

Da ich offensichtlich einer der wenigen Teenager bin, die sich für Museen, Denkmäler und geschichtsträchtige Orte begeistern, bin ich es gewohnt, mich auf Ausflügen meist mit meinen Gasteltern und hundert anderen Rentnern mit viel Zeit wiederzufinden.

Was mich hier in England am meisten begeistert, sind die «national trust buildings»: alte Adelshäuser, die einem den Eindruck geben, gleich erscheine ein Lord mit gepuderter ­Perücke oder eine Lady im Reifrock. Und die Gärten sind so gross und betörend, dass meine zwei Kameraspeicherkarten nicht immer ausreichen.

Porzellanhund in Gefahr!

Wenn ich dann also seelen­ruhig vor mich hinknipse – und mich fühle, als ob mich nur noch das Fehlen der Gehhilfe von den anderen Besuchern unterscheidet –, kommt auch schon die erste Unterbrechung in Form einer hochnäsigen Aufpasserin. Und ich muss danach immer speziell ­vorsichtig sein, denn wir, die «unvorsichtigen und lauten Kinder», ruinieren doch immer alles und müssen doppelt überwacht und kontrolliert werden. Man wundert sich also nicht, wenn ich regelrecht triumphiere bei Vollbringung einer geschickten Windung um ein Porzellanhündchen herum – vor den ­Augen der Aufseherin, ha!

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Ich verbringe ziemlich viel Zeit auf solchen Grundstücken, mit der Gewissheit, dass dieses Haus mir hätte gehören sollen, und zugleich mit dem Zweifel, ob die Kinder des Hauses überhaupt eine Chance hatten, sich beim Versteckis je zu finden.

Doch wie es mit solchen Gedanken so ist; sie verfliegen schnell, und man steht wieder vor der simplen Tatsache, dass es diese Grundstücke, die mit sehr viel Anstrengung und ­fehlendem Budget aufrechterhalten werden, einfach nur in England gibt.

Dementsprechend versuche ich, mich so oft wie möglich einer «Reisegruppe 60 plus» anzuschliessen, um möglichst viel «Old England» zu genies­sen. Süsse Nostalgie – die Schweizer Fonduetrams und Schokoladenfabrik-Rundgänge lassen grüssen.