Ja, ich habe geweint, und ja, ich habe mein Kuscheltier noch in letzter Sekunde eingepackt. Nur weil ich ein Jahr von zu Hause weggehe, heisst das nicht, dass ich schon vollkommen erwachsen bin. Ich bin trotzdem noch ein Kind, das jetzt im Flugzeug sitzt und denkt: Tue ich das Richtige?

Ich recke meinen Kopf und erhasche einen Blick auf die anderen Austauschschüler. Es ist nicht schwer, sie zu erkennen. Ich halte einfach Ausschau nach Gesichtern mit roten Flecken oder Augen, die gerade angestrengt versuchen, die Tränen zurückzuhalten, während sie Briefe von ihren Liebsten lesen. Welch grandioser Start, denk ich mir.

Ich fühle kein Bedauern, ich fühle kein Heimweh. Aber auch keine Aufregung. Es ist alles noch ziemlich seltsam, als hätten mein Körper und mein Verstand noch nicht richtig realisiert, dass ich jetzt tatsächlich auf dem Weg nach Salisbury bin.

Geistig war ich schon Wochen vor meiner Abreise in England, hab mir immer wieder ausgemalt, wie es werden wird. Aber eben nur in meinem Kopf. Es ist einfach zu sagen, dass man keine Angst verspürt, wenn man noch zu Hause im Bettchen liegt. Wenn man weiss, dass die Familie in derselben Wohnung ist und die Freunde, keine 100 Meter entfernt, immer erreichbar sind.

Meine Gefühle jetzt, hier in diesem Flugzeug, sind ein einziger Knäuel, der hinter einer Tür weggesperrt ist. Doch diese Tür wird sich sehr bald öffnen, irgendwie ahne ich das.