«Die Vorstellung, wieder mein Zimmer, meine Möbel, alle meine Kleider zu haben, übersteigt meinen Horizont. Und es gibt mir jedes Mal ein «Stichli is Herzli», weil ich ­gerne noch ein paar Monate hierbleiben würde. Natürlich freue ich mich auf die Trams, das Rivella und meine Katze. Doch habe ich hier auch gemerkt, wie schnell ich mich an ein neues, anderes Leben gewöhnt und mir ein eigenes Umfeld gebaut habe.

Erwachsen im engen Pulli

Die Gewissheit, aber auch «der Beweis», dass ich auch ohne Eltern überlebe, vielleicht sogar besser – und man sollte das jetzt nicht als reine Ansichts­sache betrachten –, wird mir wohl noch einiges einhandeln. Ich galt hier in meiner Gast­familie als ganz und gar Erwachsene, was mir natürlich auch Hausarbeiten, einige durch zu heisses Waschen eingegangene Pullis und volle Verantwortung eingetragen hat, aber mich auch stärker und reifer hat werden lassen.

In der Schweiz ists dann ja so, dass meine Eltern sicher verstehen, dass «du jetzt nicht mehr die gleiche Lisabohne bist und dich entwickelt hast», aber meine Befürchtungen, dass ich wieder in meinen ­angestammten Platz passen muss, sind nicht so abwegig.

«Wenigstens hast du England ausgesucht, da kannst du oft wiederkommen», sagten meine Freunde hier immer wieder an den hundert Abschieds-Barbecues, die dann meist mit dem Satz endeten: «Oder wir kommen in die Schweiz, England ist eh Müll.»

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Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich ein erfolgreiches, auf dem Lebenslauf höchst gut aussehendes Austauschjahr verbracht habe, das mir eine andere Welt gezeigt hat. So dass ich auf die Frage: «Aber nicht besser als Zürich, oder?» nur antworte: «Das kannst du einfach nicht vergleichen!»