Die Reise hierher war anstrengend. Ich musste mein Gepäck herumschleppen, in den Car ein- und ausladen und dabei immer aufpassen, dass ich Pass, Identitätskarte, Ticket und Kreditkarten nicht liegenlasse. Das hat mir die gute Mama so eingebläut, und ich muss sagen, bei ihr sah Reisen immer entspannter aus, als es ist.

Doch nun bin ich hier, endlich. Und irgendwie kann ichs noch gar nicht fassen, dass plötzlich wahr geworden ist, worauf ich mich schon so lange gefreut habe. Ich wohne in einem typisch englischen Häuschen aus rotem Backstein mit weiss umrahmten Fenstern und einem traumhaften Garten.

Meine neue Familie besteht aus den Gasteltern und deren Freundin, die vorübergehend hier wohnt. Sie haben mich sehr nett willkommen geheissen, und meinem ersten Eindruck nach werde ich mich hier sehr wohl fühlen. Mein Zimmer befindet sich im zweiten Stock, mit einer wunderschönen Aussicht auf den Garten.

Kaum eine halbe Stunde nach der Ankunft in meinem neuen englischen Zuhause trinke ich schon eine Tasse Earl Grey. Es fühlt sich an, als wären all die Harry-Potter-Streifen Dokumentarfilme.

Endlich nur lernen, was interessiert

Meine Schule startet erst in ein paar Tagen. Das Gymi heisst hier «Sixth Form» und dauert anders als in der Schweiz zwei statt vier Jahre. Ich muss auch nur insgesamt vier Fächer wählen, also kann ich mich auf jene beschränken, die ich möchte. Was mich zu der Frage bringt, warum man in der Schweiz alle Fächer belegen muss. Ich weiss ja jetzt schon genau, dass ich die Formel der Photosynthese definitiv nie wieder brauchen werde. Ich suche also die Fächer aus, die mir Spass machen und in meiner Schule nicht angeboten werden. Vielleicht entdecke ich ja etwas, was mir in meiner zukünftigen glamourösen Karriere von Nutzen sein könnte.

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Die Gymnasiastin Lisa Dörrer, 16, berichtet über ihre Erlebnisse während ihres Austauschjahres im südenglischen Salisbury.