Ich habe, so glaube ich, mit meiner schwachen Blase für mein Alter schon überdurchschnittlich viele Toiletten in verschiedenen Ländern gesehen. In den USA waren sie riesig, in der Schweiz sauber und in Italien gar nicht erst vorhanden. Doch in England sind die öffentlichen Toiletten vor allem eins: ziemlich eklig.

Wie bei «Eins, zwei oder drei»

Erbaulich ist dabei einzig, dass auf den Kabinentüren immer der neuste Klatsch und Tratsch der Umgebung zu lesen ist. So weiss man nach einem Toilettenbesuch, was im letzten Jahr alles passiert ist und was sich einige für dieses Jahr erhoffen. Direkt daneben stehen dann Kritzeleien aus dem Jahr 1988, die sich in keinster Weise von den neueren Sprüchen unterscheiden.

Die Schultoiletten, die ich natürlich in jeder Pause einmal und in der Mittagspause zweimal besuche, sind noch schlimmer. Wer die TV-Spielshow «Eins, zwei oder drei» kennt, weiss, womit ich zu kämpfen habe. Man stelle sich vor, es gibt mehrere Kabinen – aber nur eine davon kann man richtig verriegeln. Bei den andern ist entweder die Tür oder das Schloss nicht fachgerecht angebracht oder sie sind einfach nur kaputt. Also muss ich mich bei jedem Toilettenbesuch erinnern, welche der Kabinen nun verriegelbar ist. Selbst wenn ich den Jackpot, die verriegelbare Tür geknackt habe, stehe ich vor einer weiteren Herausforderung: in die Kabine reinzukommen – denn die ist sehr eng. Nach erledigtem Geschäft suche ich die WC-Rolle vergeblich: In Schultoiletten gibt es bloss zehnfrankennotengrosse Papierchen, die man einzeln rausziehen muss.

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Dafür ist dann der Händetrockner grosszügig dimensioniert – und dementsprechend so laut, dass ich jedes Mal um mein Trommelfell fürchte.

Dennoch: So schlimm das alles auch ist – der vorzügliche englische Tee ist es mir wert.

Die Gymnasiastin Lisa Dörrer, 16, berichtet über ihre Erlebnisse während ihres Austauschjahres im südenglischen Salisbury.