Man hats ja in der Schweiz leicht, irgendwohin zu kommen. Man nimmt einfach Zug, Bus oder Tram. Hier in Salisbury dagegen muss ich immer zweimal überlegen. Der hiesige öffentliche Verkehr würde jeden Schweizer auf die Palme bringen, da die Busse selten und unregelmässig fahren – und die Busfahrer unfreundlicher nicht sein könnten.

So habe ich zum Beispiel einmal 45 Minuten auf einen Bus gewartet, nur um dann nicht eingelassen zu werden, weil der Fahrer keine passenden Münzen fürs Rückgeld hatte. Oder ganz am Anfang meines Aufenthalts, als ich schüchtern wie ein kleines Reh nach einem Busticket in die nächstliegende Stadt fragte, der Busfahrer mich genauestens musterte und dann einfach draufloslachte: toller Kundenservice. Wenn man Engländer, die schon mal in der Schweiz waren, auf so etwas anspricht, bekommt man immer denselben Kommentar zu hören: «In der Schweiz war es mir zu organisiert, zu unspontan, zu exakt.»

Das schöne Häuschen mit Garten, in dem ich hier wohne, hat einen hässlichen Nachteil: Man muss immer zuerst hin- und irgendwie wieder wegkommen. Um in die Stadt, in die Schule und eigentlich überallhin zu gelangen, muss ich Velo fahren oder zu Fuss gehen. Die sportliche Ertüchtigung könnte man ja als Vorteil sehen. Aber beim Velofahren riskiere ich wegen des Linksverkehrs ab und zu, als Geisterfahrerin totgefahren zu werden.

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20 Meter Schulweg mit dem Auto

Hier in England geben die Eltern ihren Kindern ständig sogenannte «lifts», also Autofahrten zu oder von einem Ort. Definitiv gemütlich, aber auch, meiner Meinung nach, ungesund: Viele Schüler werden von ihren Eltern für ungefähr 20 Meter Schulweg mit dem Auto gebracht. Und wenn die Kinder dann mal 17 sind, fahren sie natürlich selber, und dann wirds für mich ungesund: In ihren kleinen roten oder gelben Autos mit laut aufgedrehter Musik nieten sie mich auf meinem Velo regelmässig fast um.

Serie: Lisas Reise

Die Gymnasiastin Lisa Dörrer, 16, berichtet über ihre Erlebnisse während ihres Austauschjahres im südenglischen Salisbury.

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