Worauf müssen sich Passagiere gefasst machen?

Auch wer nicht mit Lufthansa fliegt: Der Flugplan wird zwischen dem 2. und 4. April gehörig durcheinandergewirbelt, man muss mit Verspätungen und Flugausfällen rechnen. Ausgenommen von den Streikmassnahmen und Streichungen sind die Flüge der Lufthansa Group Fluggesellschaften, Eurowings, Air Dolomiti, Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines.

Auf ihrer Webseite orientert die Lufthansa aktuell, welche Flüge gestrichen werden. Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, werden gebeten, sich vor Antritt ihrer Reise zu informieren.

Welche Rechte haben Passagiere, wenn der Flug annulliert wird?

Die Fluggesellschaft muss laut der zuständigen EU-Verordnung, die auch für ab der Schweiz abfliegende Passagiere gilt, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung sorgen – egal ob mit dem Zug, mit einem nächsten Flug oder sogar mit einer anderen Airline.

Lufthansa verspricht, dass Passagiere, deren Flüge streikbedingt ausfallen, kostenlos umbuchen oder stornieren können.

Können Fluggäste ihren Flug stornieren, wenn er verspätet ist, aber nicht annulliert wird?

Grundsätzlich erst, wenn der Flug fünf Stunden oder mehr verspätet ist – es lohnt sich aber, mit der Fluggesellschaft auch in weniger schlimmen Fällen darüber zu verhandeln, beispielsweise wenn für den Passagier ein drei Stunden verspäteter Flug sinnlos ist, weil er eine wichtige Sitzung verpasst.

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Gibt es eine finanzielle Entschädigung für streikbetroffene Passagiere?

Das EU-Recht sieht zwar vor, dass Passagieren von annullierten Flügen grundsätzlich eine Entschädigung von bis zu 600 Euro zusteht. Allerdings hat das oberste deutsche Gericht erst unlängst entschieden, dass ein Streik für eine Fluggesellschaft ein unabwendbares Ereignis sei, das nicht zu beeinflussen sei. Deshalb stehe Flugpassagieren keine zusätzliche Entschädigung zu – selbst dann nicht, wenn es sich wie im Fall von Lufthansa um einen Streik der eigenen Mitarbeiter handelt. Lufthansa hat denn auch klargemacht, dass sie keine Entschädigungen zahlen will.

Dürfen Flug-Passagiere auf die Bahn umsteigen?

Wer lediglich einen innerdeutschen Flug gebucht hat, beispielsweise von Stuttgart nach Berlin, kann den Zug anstelle des gestrichenen Flugs benutzen. Passagiere müssen dafür aber ihren Flugcoupon in einen Bahn-Reisegutschein umtauschen – entweder online im Menüpunkt «Meine Buchungen» oder an einem Lufthansa-Check-In-Automaten.

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Welche weiteren Rechte stehen Passagieren zu?

Bei grösseren Verspätungen haben Reisende Anspruch auf Betreuungsleistungen. Dazu zählen Erfrischungen sowie zwei kostenlose Telefonate, Faxe oder E-Mails (um die Verspätung anzukündigen), ebenso eine Hotelübernachtung, falls der Flug erst am nächsten Tag durchgeführt wird. Als grosse Verspätung gelten zwei Stunden bei Flügen bis 1500 Kilometer, drei Stunden bei Strecken bis 3500 Kilometer und vier Stunden bei noch grösseren Distanzen.

Was, wenn Lufthansa nicht freiwillig einlenkt?

Falls Lufthansa sich uneinsichtig zeigen sollte, ist das schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), Telefon +41 (0)31 325 80 40) für Beschwerden zuständig, wenn der Abflug von einem Schweizer Flughafen erfolgt. So gehen Sie vor:

 

  • Melden Sie Ihren Anspruch mit eingeschriebenem Brief bei der Fluggesellschaft. Legen Sie eine Kopie des bestätigten Flugtickets und allenfalls Quittungen zusätzlicher Ausgaben bei.
  • Falls Sie innert sechs Wochen keine Antwort erhalten oder mit der Antwort nicht zufrieden sind, wenden Sie sich ans Bazl und verlangen Sie ein Beschwerdeformular.
  • Füllen Sie das dreiseitige Formular aus. Schicken Sie es, zusammen mit Ihrem Schreiben an die Airline und deren Antwortschreiben, ans Bazl.
  • Das Bazl stellt die Beschwerde der Fluggesellschaft zur Stellungnahme zu. Hat die Airline Stellung genommen, gibt das Bazl eine Empfehlung ab. Das Verfahren dauert aber bis zu einem halben Jahr.
  • Weigert sich die Airline zu zahlen oder sind Sie mit der Empfehlung des Bazl nicht einverstanden, können Sie Klage vor Gericht einreichen.


Wenn der Abflug von einem deutschen Flughafen erfolgt, ist das deutsche Luftfahrt-Bundesamt in D-38144 Braunschweig (Telefon 0049-531 23 55 115, www.lba.de, fluggastrechte@lba.de) für Beschwerden zuständig.

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