Abgestürzt ist noch keiner. Auch von Erfrierungen, Knochenbrüchen und Blasen blieben sie bisher verschont. Den Ausflug hinauf in die dünne Luft überstanden alle bestens, sagt Bärenführerin Karen Wagner. Unbekannt ist dagegen, wie Bergsteiger auf die Begegnung der kuscheligen Art reagierten. Bisher sind noch keine Meldungen über die Sichtung von wildgewordenen Teddys in der matterhornschen Todeszone bekannt geworden.

Es ist ja schon so, dass Bären und andere Stoffviecher einiges über sich ergehen lassen müssen. Mal werden sie vor Liebe plattgedrückt, dann müssen sie Kummertränen aufsaugen oder bleiben während Monaten im Staub unter dem Kinderbett liegen. Da wäre ein Ausflug in die Berge doch mal eine schöne Abwechslung, sagten sich Karen Wagner und Alexander Issler.

Die Idee zum Plüschtiertourismus kam ihnen bei einem Glas Bier, nachdem sie «Die fabelhafte Welt der Amélie» gesehen hatten. Im Filmklassiker schickt Amélie einen Gartenzwerg auf Weltreise. So kommt es zu Zwergen-Erinnerungsfotos auf dem Roten Platz, am Rande des Grand Canyon, alles wunderbar. Das konnte das bergverrückte Paar aus Pfäffikon SZ auch.

Ein Name war schnell gefunden, eine Homepage innert Wochen auf dem Netz, das Reisebüro gegründet: Paddington und Pu auf den Piz Bernina tragen, dort ein paar Gipfelbilder schiessen, hinterher 200 Franken kassieren – die Idee war zu verlockend. Angesichts der geschätzten 1,2 Milliarden Kuscheltiere weltweit schien der Markt grenzenlos.

«Sie gucken irgendwie fröhlicher»

Und die Geschäftsidee schien unbegrenzt ausbaubar. Super Namen hätten sich spielend gefunden: Kuscheltierreisen («Auch ein Stofftier braucht Erholung»), Teddy-Urlaub («Ob Kuschelbär Teddy, Hund Schnuffel, Puppe Susi oder Quietschentchen Paul, bei uns sind ALLE willkommen!»), Teddy Tour («Elbi, Holli und Otti zeigen euch Leipzig»), Happy Teddy Tours («Auch Teddies brauchen Urlaub»), Plüsch Expeditions («Abenteuerurlaub für unternehmungslustige Kuscheltiere»). Angefangen haben Karen Wagner und Alexander Issler allerdings mit «Teddy to the Top» und dem Motto «Wir bringen Ihren Teddy auf den Gipfel».

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Pech allerdings, dass bisher nur wenige Kunden auf die tierische Geschäftsidee ansprachen – und sich herausstellte: All diese Teddy-Reisebüros gibts bereits, in Deutschland. Dort sollte man vorsichtig sein bei der Wahl der passenden Reisegesellschaft: Richtig sind Stofftiere bei Teddy Tour Köln («Luxusreisen für Ihr Kuscheltier»), unter Umständen falsch bei Teddy Travel Köln («das führende Gay-Reisebüro»).

Bleibt nur die Frage: Was eigentlich macht die Berge für Kuschelbären so interessant? «Ein mutiges Tier kann nicht bloss auf dem Sofa sitzen», sagt Karen Wagner. «Da sind die Berge schon spannender. Die haben richtig Spass an frischer Luft, und hinterher gucken sie irgendwie fröhlicher.» Und sind auch bestens entstaubt.