Toiletten sind für Bähnler irgendwie Feindesland. Das beginnt schon bei den Kondukteuren, die jedes Mal vor verschlossenen Toilettentüren ihre Autorität aufs Spiel setzen müssen: Manche wähnen einen blinden Passagier in seinem bevorzugten Revier und sehen rot, andere werden rot, wenn sie Unbescholtene rausgeklopft und deren Geschäft vereitelt haben.

Doch nicht nur das Personal tut sich schwer mit dem Abort. So rüstete die BLS ihre neuen Berner Vorortszüge erst nach heftigen Protesten mit einer Toilette nach. Prompt sorgte eine ungünstig angebrachte Entlüftung für Gestank und neuen Ärger und bestätigte den Bähnlern: Toiletten sind wie Cisalpinos – es gibt damit nur Probleme.

Mit zur Verschlechterung des Klimas beigetragen hat sogar das Bundesgericht, als es vor Jahren die Bahn zum Bau eines fünf Millionen Franken teuren Tunnels in Kirchberg BE verdonnerte – nur um zu verhindern, dass Fäkalbakterien ins unmittelbar angrenzende Käselager gelangen könnten. Solche Gefahren erstickt die kleine RBS, Regionalverkehr Bern-Solothurn, gleich im Keim und hat WCs ganz aus ihren Zügen verbannt.

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Plumpsklos gibts noch bis 2018

Kein Wunder, blasen auch die grossen SBB zum Rückzug: Seit 2005 haben sie in 90 Bahnhöfen die stillen Örtchen dichtgemacht. Das reduziert die ungeliebte Kostenstelle um 30 Prozent: WCs sind teuer im Unterhalt und immer wieder beliebtes Ausflugsziel von Vandalen – quasi die Alternativ-Rigi von Zerstörungswütigen. An grossen Bahnhöfen haben längst Private das Terrain besetzt, bei weniger lukrativen Stätten wie in Spreitenbach oder Urdorf soll die öffentliche Hand zum Zuge kommen.

Der jüngste Befreiungsschlag der BLS reiht sich nahtlos in diese Tradition ein: In Luzern schliesst das Personal im Regional-Express aus Bern die Toiletten mit dem Vierkantschlüssel ab. So will die BLS verhindern, dass ihre Plumpsklos zwischen der Ankunft um .03 und der Abfahrt um .57 von Bahnhofsbesuchern zwischengenutzt werden. Ob die örtliche McClean-Filiale (zwei Franken pro Toilettengang) von dieser Massnahme profitiert, bleibt im Dunkeln: Die Firma, die das Geschäft mit dem stillen Örtchen betreibt, lässt ausrichten, sie schweige aus Prinzip gegenüber der Presse.

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Inzwischen haben aber die Bahnen erkannt, dass selbst modernstes Rollmaterial uralte Bedürfnisse nicht zum Verschwinden bringt. 140-mal pro Tag wird in einem Doppelstöcker im Fernverkehr die Toilette benutzt. Die SBB haben jetzt eine «Task-Force WC» ins Leben gerufen: Bis 2018 sollen die letzten 1796 Plumpsklos durch Vakuumklosetts ersetzt werden. Im Fernverkehr sind 400 zusätzliche Toiletten geplant. Erst dann kann gelten: Der Kluge machts im Zuge.