Die letzte Preisrunde ist gerade ein halbes Jahr her, und schon läuten die Bahnen die nächste ein. Mit plus 30 Prozent am stärksten schlägt das «Gleis 7» auf, ein Einsteiger-Abo für Jugendliche. Auch das GA erster Klasse für Erwachsene wird im Dezember 3,9 Prozent teurer. Der Aufschlag beim GA zweiter Klasse entspricht der durch­schnitt­li­chen Erhöhung von 1,5 Prozent.

Ein Papier des Verbands für öffentlichen Verkehr (VöV), das dem Beobachter vorliegt, zeigt die Strategie dahinter: Die Preise werden dort am stärksten angehoben, wo die Bahnen das grösste «Kannibalisierungs­risiko» orten – bei jenen Kunden, von denen die SBB glauben, sie könnten an ihnen mehr verdienen, ohne allzu viele davon zu verlieren.

Eine Analyse des Beobachters zeigt, dass die Bahnen nach derselben Strategie in den letzten 20 Jahren attraktive Abos Zug um Zug massiv verteuerten. So kostet ein GA für Senioren heute 53 Prozent mehr als 1990 in der ersten respektive 38 Prozent mehr in der zweiten Klasse – und zwar teuerungsbereinigt. Noch stärker stiegen die Preise real für ein GA für Partner: um 76 Prozent (erste Klasse) respektive 64 Prozent (zweite Klasse).

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Wie ein Benzinpreis von Fr. 2.80

Die nächste Kuh, die gemolken wird, sind die Pendlerinnen und Pendler mit einem Vollpreis-GA. Die tonangebenden SBB haben schon angekündigt, dass sie die Billette jährlich um durchschnittlich drei Prozent verteuern wollen, allen voran das GA. Auch Bundesrätin Doris Leuthard will die Passagiere mehr zahlen lassen: 300 Millionen Franken jährlich für die Benutzung des Netzes. Damit würden die Preise noch einmal um zusätzliche zehn bis zwölf Prozent ansteigen.

Insgesamt droht im öffent­lichen Verkehr ein Preisanstieg von mehr als 20 Prozent in den nächsten Jahren. «Dann würden viele aufs Auto umsteigen», warnt Kurt Schreiber, Präsident der Interessenvereinigung Pro Bahn Schweiz. Der Verkehrs-Club der Schweiz hält fest, dass der Benzinpreis umgerechnet auf Fr. 2.80 pro Liter steigen müsste, wollte man das Auto­fahren ebenso verteuern.

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Doch damit nicht genug. Bereits schlägt eine neue Studie im Auftrag des Bundesamts für Verkehr vor, die Neat mit separaten Billettaufschlägen rentabler zu machen. Und der VöV arbeitet an einem neuen Preissystem: weg von der heutigen Berechnung nach Distanzen, hin zu einem dynamischen System mit höheren Preisen für stark genutzte Strecken. Ver­bands­direktor Ueli Stückel­ber­ger bestätigt: «Wo der öffentli­che Verkehr besser ist als die Strasse, soll er teurer werden.»