Es war ein Singhalese, der das Schweizer Bussensystem im öffentlichen Verkehr revolutionierte: Der 44-jährige Ranil Jayanetti hatte sich in einem gemischten Erst- und Zweitklass-Doppelstockwagen versehentlich in die erste Klasse gesetzt. Trotz gültigem Zweite-Klasse-Billett büsste ihn die Bahn mit 80 Franken – wie einen Schwarzfahrer.

Jayanetti wehrte sich, weil er fand, wer so streng kontrolliere, müsse zugleich dafür sorgen, dass Kunden nicht in eine Falle tappen könnten – also die verschiedenen Klassen unmissverständlich kennzeichnen. Die SBB zogen seinen Fall bis vor Bundesgericht. Das höchste Gericht gab aber Jayanetti recht und entschied, dass die Zuschlagspraxis «klar bundesrechtswidrig» sei, weil Schwarzfahrer bei gleich hohem Zuschlag wie Graufahrer besser fahren würden. Denn Graufahrer bezahlten zusätzlich ein Billett.

Gerechter – weil für alle teurer

Die Bahnen reagierten im September sofort auf das Urteil und senkten den Zuschlag für Graufahrer vorübergehend auf 60 Franken. Zugleich kündigte der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) auf den nächsten Fahrplanwechsel im Dezember eine definitive Regelung an. Dem Beobachter liegen nun Informationen vor, die belegen, dass der VöV dabei eine Erhöhung der Bussen für Schwarzfahrer von 80 auf 100 Franken und für Graufahrer von jetzt 60 auf 75 Franken plant. Die gerechtere Regelung, die ab Juni 2011 in Kraft treten soll, kostet die SBB also nichts – sie garantiert ihnen im Gegenteil zusätzliche Einnahmen.

Anzeige