Bereits 1983 haben die europäischen Staaten ein Übereinkommen über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten geschlossen – zehn Jahre bevor das Opferhilfegesetz in der Schweiz in Kraft trat. Danach müssen die Opfer von Straftaten in erster Linie vom Tatortstaat entschädigt werden. 14 Staaten haben diesen Grundsatz anerkannt, nämlich Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Tschechien, Zypern, Aserbaidschan und die Schweiz. Werden Schweizerinnen und Schweizer von einem ausländischen Staat nicht oder nicht ausreichend entschädigt, können sie ihre Ansprüche in der Schweiz anmelden.

In unseren Nachbarländern und in Grossbritannien gelten folgende Regelungen:

  • In Deutschland ist das Opferentschädigungsgesetz bereits seit 1976 in Kraft. Anspruchsberechtigt sind die Opfer und ihre Hinterbliebenen – Ehepartner, Kinder und unter besonderen Umständen die Eltern. EU-Bürger können dieselben Ansprüche stellen wie Deutsche. Andere Staatsangehörige, zum Beispiel Schweizer, erhalten diese Leistungen nur, wenn sie seit drei Jahren ununterbrochen in Deutschland gelebt haben. Wer seit weniger als drei Jahren in Deutschland lebt, bekommt lediglich eine Grundrente.
  • In Grossbritannien hat Anspruch auf eine Entschädigung, wer durch strafbare Gewalt eine Verletzung erlitten hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Betroffene EU-Bürger ist oder nicht. Auch die Aufenthaltsdauer auf den Britischen Inseln ist unerheblich. Anspruchsberechtigt sind auch Personen auf britischen Schiffen, Flugzeugen, Luftkissenbooten und Ölplattformen überall auf der Welt.
  • Auch in Frankreich erhalten Opfer von strafbaren Handlungen eine Entschädigung. Hier spielen Staatsbürgerschaft und Dauer des Aufenthalts ebenfalls keine Rolle.
  • In Italien fehlt ein einheitliches Gesetz über die Entschädigung der Opfer von Straftaten. Einzelne Spezialgesetze ermöglichen aber trotzdem eine Entschädigung. Diese Gesetze betreffen Terrorismus, organisiertes Verbrechen, Erpressung, Nötigung und andere Delikte und sind zum Teil seit den achtziger Jahren in Kraft. Entschädigungen erhalten die Opfer und ihre Hinterbliebenen. Allerdings werden Italienerinnen und Italiener gegenüber den Ausländern bevorzugt behandelt: Nur sie erhalten eine Leibrente.
  • In Österreich ist bereits seit 1972 ein Gesetz für die Hilfeleistungen an Opfer von Verbrechen in Kraft. Für Schweizer siehts beim östlichen Nachbarn allerdings weniger gut aus: Nur österreichische Staatsbürger und Einwohner des Europäischen Wirtschaftsraums haben Anspruch auf eine Entschädigung.