Beobachter: Wieso kommen die Leute zu Ihnen?
Bruno Meier: Die Umstände beim Kauf lassen Urlauber im Nachhinein zweifeln, ob der Kaufpreis dem tatsächlichen Wert des Teppichs entspricht. Viele erzählen, wie sie mit Cars zu den Verkaufsorten gefahren und dann unmerklich voneinander separiert werden. Viele finden sich schliesslich allein mit drei, vier Verkäufern. In dieser Situation haben sie nicht mehr den Mut, nein zu sagen.

Beobachter: Was stellen Sie bei Ihren Prüfungen fest?
Meier: Viele Teppiche entsprechen nicht der zugesicherten Qualität. Das Material ist nicht Seide, sondern Kunstseide, das Herkunftsland nicht die Türkei, sondern China. Die Zertifikate, die Konsumenten bekommen, helfen meist nicht weiter, denn sie sind so knapp und offen formuliert, dass man mit ihnen das Auseinanderklaffen von zugesicherter und tatsächlicher Qualität kaum belegen kann.

Beobachter: Wie kann man sich beim Kauf absichern?
Meier: Laien können die Qualität eines Teppichs nicht beurteilen. Bedenken Sie: Selbst wenn die Deklarationen Seide, Herkunft, Knotenzahl stimmen, ist für den Wert des Teppichs die Feinheit der Verarbeitung entscheidend. Das können nur Fachleute einschätzen. Deshalb sollen Reisende Teppiche nur im Rahmen ihres Souvenirbudgets kaufen - als schlichte Ferienandenken, bei denen man nicht nach dem materiellen Wert fragt. Und wer sich dem Verkaufsdruck gar nicht aussetzen will, soll für den Ausflug ein Buch einpacken und lesend im Reisebus verweilen, bis die andern von der Einkaufstour zurück sind.

Beobachter: Kann man in der Türkei gar nicht vorteilhaft Orientteppiche einkaufen?
Meier: Sie staunen vielleicht: Die türkischen Anbieter sind mehrheitlich teurer als die Schweizer. Aus einem einfachen Grund: In ihren Verkaufskanälen fallen so viele Provisionen an - für den Buschauffeur, der die Reisenden in die Fabrik bringt, für die Reiseleitung, fürs Hotel, für die gesponserten Arrangements -, dass ihre Ware trotz tieferen Lohn- und Lagerkosten teurer ist als in der Schweiz.