Beim Kundenservice für Auslandsreisen haben die Eisenbahngesellschaften jahrelang geschlafen. Ihr Nachholbedarf ist riesig.» Dies kritisiert der begeisterte Bahnfahrer und Präsident der Kundenorganisation Pro Bahn, Edwin Dutler. Denn: Eine Buchungsplattform im Internet für internationale Zugreisen fehlt.

Die Airlines machen es ihren Kunden viel einfacher: Wer etwa von Zürich nach Berlin fliegen will, sieht auf einen Blick, in welcher Preiskategorie es noch freie Plätze hat. Für die Schiene findet sich nicht einmal der Normaltarif. Bei den SBB muss jede Verbindung mühsam einzeln abgefragt werden. Zur Auswahl steht dabei eine kostenpflichtige 0900-Nummer, die selbst in der Warteschleife kostet.

Bei einer Anfrage per Mail lässt sich die Bahn bis zu 48 Stunden Zeit mit der Antwort. Kommt dazu, dass der Kunde so nicht beurteilen kann, wie günstig das Angebot tatsächlich ist, da Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Und die SBB verkaufen das billigste Billett nur, wenn man explizit danach fragt. «Die beste Verbindung für einen Kunden ist nicht automatisch die günstigste», erklärt SBB-Mediensprecher Roland Binz.

Investition von 50 Millionen Franken
Dass mit einem solch aufwendigen Prozedere kaum neue Kunden zu gewinnen sind, haben die Bahnen jetzt erkannt: Die wichtigsten Gesellschaften Europas - darunter auch die SBB - gründeten eine Allianz namens «Railteam». Rund 50 Millionen Franken wollen sie in eine gemeinsame Buchungsplattform investieren. Versprochen ist eine Lancierung ab dem Jahr 2009 - falls die komplexen Tarifsysteme aufeinander abgestimmt werden können.

Für Laien ist der Bahntarifdschungel fast undurchdringlich. «Bei den unzähligen Spezialangeboten wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten», sagt Saskia Weber vom Reisebüro Globotrain, das auf Zugreisen spezialisiert ist. Allein die Deutsche Bahn (DB) kennt unzählige Sparpreise wie Dauerspezial oder Schönes-Wochenende-Ticket. Die meisten dieser Aktionen sind bei den SBB gar nicht erhältlich. Sie werden nur von Ablegern der DB angeboten: dem deutschen Verkehrsbüro in Zürich oder dem Badischen Bahnhof in Basel. Dort gibts zum Beispiel Gruppen-Tageskarten für alle Regionalzüge in einem Bundesland zum Schnäppchenpreis von weniger als 50 Franken.

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Ticket bitte selber lösen
Soll die Zugreise nach Italien gehen, wenn möglich abseits der grossen Zentren, wird es noch schwieriger: So finden sich zwar für Sinalunga in der Toskana oder den Touristenort Tropea Verbindungen, aber keine Billette. Grund: Die SBB können für italienische Regionalzüge keine Preise berechnen. Der Berater des Contact Centers SBB rät darum, «ein paar Euromünzen» mitzunehmen und am Umsteigebahnhof das Ticket für das fehlende letzte Teilstück am Automaten selbst zu lösen.

Da überrascht es wenig, dass im Schweizer Personenverkehr mit den Nachbarländern das Transportmittel Zug nur rund zehn Prozent Marktanteil hat - den Rest teilen sich Auto und Flugzeug. «Railteam» will diesen Marktanteil erhöhen. Dank der geplanten Internetplattform soll mindestens die Reservation von Reisen in Hochgeschwindigkeitszügen mit wenigen Klicks möglich werden. Ob und wann «Railteam» die übrigen Züge ins System einbinden wird, ist noch völlig offen.

Immerhin ist dank der europäischen Bahnallianz ein Problem, das im internationalen Zugverkehr schon viele Reisende zur Weissglut getrieben hat, aus der Welt geschafft: Seit neustem können Kunden einer Bahngesellschaft von «Railteam» bei einem unverschuldet verpassten Anschluss jedes Billett auf den nächsten Zug umbuchen.

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